Das 15.Monat/Kurzurlaub

In unserem 15. Monat kam einiges zusammen. Manches war schön, anderes war schrecklich. Manchmal sind es eher die äußeren Umstände, die das Leben mit Kind so schwierig machen. Meine Tochter ist ein fröhliches, offenes Kind, das die Welt entdecken will. Manchmal will sie nur mehr als sie kann. Und manchmal will ich auch mehr als ich kann, denn auch Mütter sind nur Menschen.

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Meine Tochter ist mittlerweile sehr umtriebig in unserer Wohnung. Sie räumt ihre Sachen mal hier hin, mal dort hin. Manchmal auch unsere Sachen. An sich darf sie das auch alles. Ich wüsste nicht warum ich es verbieten soll, wenn sie sich damit gut beschäftigt und die Welt entdecken kann. Natürlich nur, solange es keine gefährlichen Dinge sind. Leider traut sie sich da manchmal mehr zu als sie schon kann. Sie hat gelernt selber auf die Couch zu klettern. Das hat sich ohnehin abgezeichnet, zumal sie sich auch schon eine „Aufstiegshilfe“ gebaut hatte (sie hat ihre ausgeleerte Spielzeugkiste umgedreht und ist damit auf die Couch gestiegen). Leider reicht es ihr natürlich nicht, einfach oben zu sitzen. Sie muss oben auch krabbeln, aufstehen und herumlaufen. Das geht natürlich nicht immer gut. Egal wie sehr ich sie im Auge behalte, egal wie schnell ich bin, selbst wenn ich daneben sitze. Sie ist natürlich schon herunter gefallen. Zum Glück ist es ja nicht sehr hoch und sie fällt eigentlich immer mit den Füßen voran. Irgendwann wird ihr klar werden, dass da herum laufen keine so gute Idee ist. Und bis dahin klaube ich sie halt immer wieder herunter. Ich sage ihr natürlich, dass sie nicht laufen soll… Geholfen hat es bisher nicht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.


Wir sind nach Möglichkeit viel draußen, auch am Balkon. Wir haben einen Holzboden am Balkon, drunter ist eine Metalauffangwanne. Zwischen den Holzlatten ist ein kleiner Spalt. Wenn meine Tochter draußen ist, nimmt sie sich auch gerne Spielsachen oder Bücher mit. Meistens habe ich eher die Angst, und das zu Recht, dass sie die Dinger durch die Gitterstäbe wirft und ich in den Hof gehen darf um sie wieder zu besorgen. Mit einer ihrer Jausenboxen habe ich das auch schon tun dürfen. Womit ich nicht gerechnet hatte, war, dass sie es geschafft hat eines ihrer Bücher durch den Spalt zwischen den Holzlatten in die Metallwanne zu befördern. Es ist mir komplett schleierhaft, wie sich das ausgegangen ist. Unabsichtlich reingefallen kann es fast nicht sein. Aber Absicht würde ich ihr da jetzt auch nicht unterstellen. Wir haben es tatsächlich wieder heraus bekommen (mit einer Pinzette, zum Glück war es ein Unkaputtbar (ein Baby-Pixi Buch). Mein Mann hatte schon befürchtet, er muss das Holz abschrauben. Jedenfalls passe ich jetzt viel besser auf, was sie mit nach draußen nimmt. Manche Dinge eignen sich definitiv nicht für den Balkon.


Da meine Tochter auf großem Fuß lebt, haben wir mal wieder neue Schuhe gekauft. In diesem Fall nicht nur eine Nummer größer, sondern auch Sandalen. Es war nicht einfach etwas Passendes zu finden. Ich wollte welche die vorne geschlossen sind, nach Möglichkeit Echtleder und nicht in rosa oder hellblau. Kurz, im Stationären Handel wurde ich nicht fündig. Also bin ich auf Online umgestiegen. Da wir wissen, dass ihr Schuhe der Marke Elefant gut passen, habe ich dort angefangen. Und die liefern natürlich nicht in mein Heimatland… Manchmal ärgere ich mich schon sehr über solche Dämlichkeiten. Als ob es einen Unterschied machen würde, zumal alles EU ist… Aber ich habe, nach langem Suchen, einen Partner gefunden, der einige Modelle auch nach Österreich schickt. Also ein Modell ausgesucht, Farbe Rot, und bestellt. Sie waren ziemlich schnell da und die Farbe war… Sagen wir mal, ich hatte gehofft sie wären kräftiger. Im ersten Moment habe ich es für rosa gehalten (es waren übrigens offiziell Burschen-Schuhe, soviel dazu). Mittlerweile habe ich mich an die Farbe gewöhnt und weiß sie auch zu schätzen. Echtes Rot wäre viel schwieriger zu kombinieren gewesen. Dieses ist dezenter und passt eigentlich zu allem, was sie an hat. So bin ich mittlerweile sehr zufrieden mit meiner Wahl und meine Tochter schein sie auch sehr zu mögen. Sie kommt sogar her und setzt sich hin, damit man ihr die Schuhe anziehen kann.


Leider hat sie auch so einen Schuhfimmel, oder zumindest scheint es ihr großen Spaß zu machen unsere Schuhe durch die Gegend zu tragen. Ich habe Schuhe schon im Badezimmer, unterm Bett, selbst am Balkon gefunden. Meistens ist es nur ein Schuh, manchmal auch beide. Sie zieht auch gerne an den Schuhbändern, damit man nur ja nicht reinkommt. Ich stelle sie dann wieder ins Vorzimmer, sage ihr, dass sie das nicht soll, und laufe fünf Minuten später wieder den Schuhen hinterher. Irgendwann wird es ihr langweilig werden… so wie die Bücher aus den Regalen räumen… Moment, das macht sie immer noch ;).


Nachdem ich leider viel zu lange nicht beim Zahnarzt war, musste ich mich gleich mal um einige größere Probleme kümmern. Wobei eigentlich war das Schlimmste daran etwas, was auch mit öfter hin gehen keine Unterschied gemacht hätte, ich musste mir meine Weisheitszähne entfernen lassen. Alle vier… der Schmarrn dabei war nur, drei davon waren noch nicht einmal heraußen, weil sie einfach komplett schief im Kiefer lagen und gar nicht heraus kommen konnten. Sie haben leider auch den Platz der Nachbarn verringert, weswegen diese angegriffen waren. Kurz um, sie mussten herausoperiert werden. Das ist ja an sich schon nichts Schönes, nur wie machen wenn man eine 14 Monate altes Kind daheim hat?! Ich plante also drauf los. Meine Mutter fuhr mit mir hin und schaute während der OP und den Nachmittag danach auf die Kleine. Dann musste ich die Nacht durchhalten und am nächsten Tag wieder mit meiner Mutter Termine absprechen, weil man ja auch noch zu Nachkontrollen muss. Es war jedes Mal (ich habe es auf zwei Mal machen lassen) eine Tortur. Meine Tochter war extrem brav, hat sich super mit den Großeltern beschäftigt und war extrem pflegeleicht. Selbst als wir beim zweiten Mal die erste Nach bei meiner Eltern geschlafen haben (und sie damit das ersten Mal im Haus der Großeltern übernachtet hat), war sie total entspannt und hat weder gejammert noch war sie irgendwie anders unrund. Nur ich habe sehr gelitten und tagelang ohne Schmerzmittel gar nichts gemacht. Aber auch das geht zum Glück vorbei und wie sagt mein Mann so schön: „Das muss man auch nur einmal Machen“. Recht hat er, auch wenn er leicht reden kann, er hat von Natur aus keine Weisheitszähne im Kiefer angelegt. Ich hoffe nur, dass meine Tochter das geerbt hat. Erspart ihr viele Probleme.


In der Zeit zwischen den zwei OPs war ich mit meiner Mutter und der Kleinen im Tierpark. Wir haben einen kleinen, privat geführten Steppentierpark relativ in der Nähe und haben den einmal besichtigt. Sehr interessant, da es Tiere sind, die man so nicht unbedingt im Tiergarten antrifft. Auch sind es viele Nutztiere die zum Teil auch handzahm sind und gefüttert werden dürfen. Eigentlich mag ich so etwas nicht besonders. Ich finde wir sollten unseren Kindern nicht beibringen, dass sie jedes Tier anfassen und füttern dürfen. Aber da es in diesem Fall dazu gehört haben wir es trotzdem gemacht. Meine Tochter war auch sehr begeistert, wollte immer alles anschauen und war offensichtlich in ihrem persönlichen Paradies. Sie liebt Tiere, besonders Pferde und lustiger weise Schweine. Einer der Esel (ein Jährling, also noch grün hinter den Ohren) hat ihr in den Schuh gezwickt, das fand sie nicht mehr so toll. Aber ansonsten war es ein sehr gelungener Ausflug. Wir wollen unbedingt noch in den richtigen Tiergarten in der Hauptstadt gehen. Da werden wir dann aber mit meinem Bruder unterwegs sein, da er direkt daneben wohnt. Das wird sicher auch noch ein großes Abenteuer.


Mein Mann hat sich in dieser Zeit eine Woche frei genommen. Das war eher aus der Not heraus, weil er sich in den Sommermonaten keine drei Wochen am Stück frei nehmen darf, und wir die dritte Urlaubswoche daher vorgezogen haben. Dafür hatten wir damit die Möglichkeit mal als kleine Familie ein paar Ausflüge zu unternehmen. So waren wir am großen See schwimmen. Meine Tochter liebt das Wasser und geht sehr gerne Baden. In den See gehen ist aber etwas komplett anderes. Wir haben sie natürlich mit Schwimmflügen ausgestattet, auch wenn sie im Endeffekt eh von einem von uns getragen wurde. Aber so schien es ihr durchaus Spaß zu machen. Froh bin ich über die Badesachen, die wir von meiner Cousine bekommen haben. Nicht nur, dass es Shirts dabei gibt und eine Kappe, wir haben so auch Badeschuhe gehabt, was bei dem Untergrund (teilweiße Steine, teilweise tiefster Schlamm) echt praktisch war. Ich selbst habe meine Schlapfen einmal im Schlamm versenkt, sie zum meiner großen Freude aber sogar wieder gefunden. Daran hat eigentlich keiner geglaubt, weil der See verschriehen ist, Dinge zu „schlucken“.


Bei diesem Ausflug hat meine Tochter auch zum ersten Mal die Gabel entdeck. Eigentlich war es meine Gabel, die ich nach dem Essen noch in meiner Schüssel liegen hatte. Sie hat sie genommen, ein Stück Käse aufgespießt und sich in den Mund gesteckt. Ich war restlos begeistert, habe noch gar nicht damit gerechnet, dass sie das schon kann. Danach haben wir ihr immer wieder Löffel oder Gabel zum Essen angeboten. Je nachdem wie sie gerade Lust hat benutzt sie sie, oder isst weiter mit den Fingern. Ist ok für mich, so kann sie in ihrem eigenen Tempo lernen damit umzugehen. Sie hat bisher fast alles mit der Hand gegessen, aber ich bin sicher, sie wird schon herausfinden, wie es geht.


Wir waren auch mal wieder zu dritt bei den Pferden. Eigentlich eine Seltenheit, weil wir mit der Kleinen dann nicht reiten können. Aber da ich wegen meiner Zähne ohnehin noch nicht aufs Pferd konnte (die Bewegung war unangenehm), haben wir sie mal wieder mit gehabt. Dieses Mal war sie total begeistert aufs Pferd zu kommen und hat gestrahlt wie ein Honigkuchenpferd. Sogar als mein Pony ein paar Schritte gemacht hat, hat sie noch gegrinst und war begeistert. Vielleicht wird das was mit der Nachwuchsförderung. Ich würde mich ja freuen, dann kann ich später vielleicht mal mit ihr gemeinsam reiten gehen. Und ein Pferd wird es sowieso immer geben ;).


Schließlich haben wir auch einen größeren Ausflug gemacht und sind in eine Stadt, gut zwei Stunden Autofahrt entfernt gefahren. Das hatte mehrere Gründe. Meine Schwiegermutter studiert und hatte eine Prüfung. Da sie in dieser besagten Stadt das Studium macht, musste sie dort hin. Wir hatten Zeit und sind mitgefahren. Außerdem wohnt eine Freundin von mir in der Stadt, und deren Wohnung wollte ich mir sowieso mal anschauen. Es ist echt erschreckend wie weit verstreut wir mittlerweile alle Leben. Und wie viel man verpasst dadurch. Auch durch die Pandemie haben wir es seit ihrem Umzug vor fast zwei Jahren nicht geschafft sie mal besuchen zu fahren. Also zwei Fliegen mit einer Klappe. Die Fahrt war etwas mühsam. Wir haben Bücher mit gehabt, aber trotzdem sind zwei Stunden sehr lange und meine Tochter hat nicht geschlafen (weil es Vormittag war und sie da nie schläft). Also mussten wir sie irgendwie bei Laune halten. Das ging ganz gut, meine Schwiegermutter und ich haben uns abgewechselt wer bei ihr hinten saß. Am Ziel waren wir dann zu ersten Mal seit Monaten in einem Restaurant essen. Das war irgendwie seltsam, nach den ganzen Einschränkungen. Irgendwie schien auch keiner so genau zu wissen, was man nun eigentlich kontrollieren muss usw. Trotzdem war es ganz nett sich mal wieder einfach irgendwo hinzusetzen, einen Kaffee (oder Tee oder was auch immer) zu bestellen und die Leute anzuschauen die da so an einem vorbei gehen. Das Studentenviertel ist ein netter Ort, ich glaube ich hätte mich da durchaus wohl gefüllt. Wenn es auch irgendwie ganz anders ist, als der Ort an dem wir wohnen. Am Nachmittag waren wir meine Freundin und ihre Lebensgefährtin besuchen. Die beiden haben eine Dachgeschosswohnung und zwei Katzen. Meine Tochter war restlos begeistert und die meiste Zeit hinter den Samtpfoten her. Die eine hat sich auch durchaus streicheln lassen, der Kater hat sich lieber irgendwo hin verzogen und das ganze beobachtet. Zur Feier des Tages durfte meine Tochter zum ersten Mal ein Eis kosten. Es war sehr heiß, weshalb ich ihr das gegönnt habe. Sie war zwar zuerst irritiert von der Kälte, hat es dann aber sehr gut gefunden. Bisher hatte sie nur selbstgemachtes Bananeneis ohne Zucker. Das war ihr erstes gekauftes Wassereis am Stiel. Jetzt kann der Sommer kommen.


Das war mal wieder ein etwas längeres Kapitel. Aber unser 15. Monat war auch sehr aufregend. Meine Tochter erkundet immer mehr von der Welt und ich entdecke da durchaus die eine, oder andere Sache mit ihr. Man geht viel bewusster durch die Welt, finde ich, wenn man mit einem Kind unterwegs ist. Zwar sehe ich auch viel mehr die Gefahren, aber ich lasse mich dann auch hinreißen, mir einen Baum, oder eine Blume viel genauer anzusehen, als ich es sonst getan hätte. Ich bin auch viel bewusster draußen, weil ich keine Musik dabei höre und mich ganz auf meine Umwelt und meine Tochter konzentriere. So ein Kind entschleunigt ungemein, und ich finde es durchaus angenehm. Und damit schließe ich das heute Kapitel. Bis zum nächsten Mal.

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