Stillen, die Zweite

Mit Einführung der Beikost ändert sich beim Stillen naturgemäß einiges. Am Ende sollte es natürlich einfach nicht mehr gebraucht werden. Aber der Weg zum selbstständig essenden Kind ist ein Weiter.  Manchmal ist es sehr mühsam, manchmal zehrt es an den Nerven. Aber am Ende hat noch jedes Kind Essen gelernt. Und genau so wie wir darauf vertrauen dass die kleinem beim Stillen schon wissen wie viel sie brauchen, sollten wir das auch beim Essen tun.

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Bei uns hat sich mit Beginn der Beikost zunächst einmal nicht wirklich etwas geändert. Da wir nach BLW und Breifrei abgestillt haben, hat im Grunde meine Tochter entschieden wie sie es haben wollte. Das hieß zunächst einmal gar nicht viel. Das erste Monat habe ich ihr Gemüse und Obst drei Mal am Tag angeboten, immer wenn auch ich am Tisch saß, um was zu essen. Ansonsten haben wir weiter nach Bedarf gestillt. Auch nach dem Essen habe ich ihr immer die Brust gegeben.


Ich hatte ein bisschen das Gefühl, dass sie gar nicht wirklich versteht, warum sie das Gemüse essen sollte. Sie hat es zwar mit Begeisterung untersucht und auch darauf herum gekaut, dass es aber kein Spielzeug ist, sondern zum satt werden da ist, war ihr am Anfang definitiv nicht klar. Auch nach 6 Wochen nicht… Sie hat zwar immer mehr gegessen, aber wenn sie wirklich Hunger hatte, und ich habe ihr zuerst Gemüse angeboten, war das ganz sicher nicht das, was sie sich vorgestellt hat.


Es hat sehr an meinem Nerven gezehrt. Nun musste ich einerseits an alles zum Essen für sie denken, mir überlegen was ich mache, das nötige einkaufen und herrichten, aber am Ende habe ich trotzdem genauso oft gestillt wie ohne essen. Auch nachts hat sich nichts verändert. Je mehr sie ihr Essen nur zum Spielen verwendet hat, um sehr mehr habe ich an dem ganzen gezweifelt. Es gab Momente, da habe ich überleget doch auf Brei umzusteigen. Aber ich habe es nie über mich gebracht. Essen ist ein sehr schwieriges Thema für mich, das mit vielen Ängsten und viel Stress verbunden ist. Daher wollte ich ihr jede Art von negativer Besetzung unbedingt ersparen. Also habe ich durchgehalten.


Und dann, mit ca. 8 Monaten hat sie angefangen die Stillmahlzeiten zu reduzieren. Zwar nicht anzahlmäßig, aber die getrunkene Menge. Sie hat einfach weniger nachher getrunken und zwar merklich weniger. Ich habe nichts anders gemacht, es ging bei ihr einfach der Knopf auf, dass man vom normalen Essen auch satt wird. Und ich durfte ihr dann auch einmal ein Stück Obst geben, wenn sie hunger hatte und sie hat es gern gegessen.


Meine Tochter war an sich eine gute Esserin. Sie probiert eigentlich fast alles was man ihr anbietet. Leider hat sie aber gerade am Anfang kaum nennenswerte Mengen gegessen. Durch das Stillen hat sie sich alle nötigen Nährstoffe geholt, weshalb ich nie Sorge hatte, dass sie zu wenig bekommt. Aber es hat mir halt auch das Gefühl gegeben, dass nicht wirklich etwas weiter geht. Mit dem langsamen Reduzieren kam dann wieder Bewegung rein.


Nachdem sie dann immer öfter gerade mal einen Schluck oder so gestillt hat, habe ich angefangen es ihr nicht mehr anzubieten. Sie hat zu dieser Zeit drei Mal am Tag normales Essen bekommen, Vormittag und Nachmittag gab es noch reine Stillmahlzeiten. Nachts konnte sie so viel stillen wie sie wollte (das waren drei bis fünf Mal). Zu dieser Zeit habe ich gemerkt, dass sie sehr stark nach der Uhr stillt bzw. isst. Zwar habe ich das auf gewisse Weise forciert, weil ich schaue, dass es immer zu ähnlichen Zeiten Mittag- und Abendessen gibt, und wir auch meist zu einer ähnlichen Zeit frühstücken. Wie stark sie das übernommen hat, hat mich dann aber doch gewundert. Vor Allem hat sie es auch in der Nacht beibehalten. Sie hat also um 11 am Vormittag und um 11 am Abend gestillt, oder um 3 Uhr nachmittags und um 3 Uhr morgens. Daher wohl auch ihr häufiges aufwachen. Sie kommt offenbar eher nach mir. Ich esse nicht gerne große Mengen auf einmal, lieber mehrere kleine Mahlzeiten. Scheinbar hat sie das auch, was halt leider hieß, dass wir recht oft stillen mussten.


Nachdem wir es ein paar Mal zeitlich nicht geschafft haben vormittags zwischendurch zu stillen, und sie das nicht gestört hat, haben wir das dann weggelassen. In diesem Fall ohne Ersatz. Damit hatte ich dann einen Vormittag ganz ohne Stillen. Das war für mich extrem befreiend. Auch wenn man leider selten das Kind am Vormittag jemanden geben kann, um dann etwas zu machen, hatte ich zumindest das Gefühl, nicht mehr dauermäßig von ihr belagert zu werden. Ich konnte sozusagen wieder etwas Luft holen.


Eine Weile haben wir das dann so gelassen. Allerdings kam es mir so vor, dass sie unter tags leider viel zu wenig Flüssigkeit zu sich nahm. Aus der Flasche trank sie nicht wirklich, eigentlich nur beim Stillen. Um das etwas mehr zu forcieren, beschloss ich dann auch ihre Nachmittags-Stillmahlzeit umzustellen. Da sie da allerdings meist ganz gut gestillt hat, habe ich in diesem Fall wieder Obst angeboten. Das hat sie super angenommen und auch tatsächlich angefangen dann auch Wasser und Tee zu trinken.


Damit waren die Tage komplett stillfrei. Das half mir sehr. Einerseits weil ich endlich das Gefühl hatte, ich konnte sie jeder Zeit einmal meinem Mann oder den Großeltern überlassen und mich mal mit etwas anderem Beschäftigen (auch wenn ich das tatsächlich nie gemacht habe, aber zu wissen ich könnte war schon sehr schön) zum anderen hat es mich darin bestärkt, dass ich den richtigen Weg genommen habe. Und, so eitel das jetzt auch kling, ich konnte endlich wieder die Sachen anziehen, die ich wirklich mag. Ich trage sehr gerne Kleider, was leider beim stillen eher unpraktisch ist. Auch habe ich selten Oberteile mit Knöpfen, so dass ich mich eigentlich immer komplett ausziehen hätte müssen. Ich habe also die meiste Zeit eher einen eingeschränkten Kleiderschrank benutzt. Umso schöner war es, sich darüber endlich keine Gedanken mehr machen zu müssen. BH habe ich weitergetragen, schließlich waren die Brüste ja noch auf stillen in der Nacht eingestellt und haben gerade am Abend manchmal schon etwas getropft.


Das Reduzieren durch meine Tochter hatten den Vorteil, dass es eher schleichend passierte und sich die Brust ganz gut darauf einstellen konnte. Nur wenn sie abrupt Mahlzeiten ausgelassen, hat war das etwas schwierig. Als sie dann nur noch nachts gestillt hat, war es dann wieder etwas mühsam. Da sie recht viel nachts getrunken hat, waren die Brüste recht voll. Das war unangenehm und ich war mehr als einmal nass, weil wieder etwas ausgelaufen ist.


Mit dem Durchbruch der ersten Zähne, siehe in unserem zehnten Monat, hat sich die Trinkmenge in der Nacht dann ziemlich rasch reduziert. Innerhalb eines Monats hat sie von drei bis vier Mal nachts stillen auf null umgestellt. Das war dann doch recht unangenehm, da sich die Brust natürlich nicht so schnell umstellen konnte. Da habe ich oft tagelang zu viel Milch gehabt. Auch Schmerzen waren da durchaus dabei. Ein paar Mal habe ich auch ein Schmerzmittel genommen damit ich schlafen konnte. Es hatte ja keinen Sinn, wenn ich wach lag und hoffte meine Tochter würde aufwachen, nur damit sich meine Brust leerte. Das war ja nicht zielführend. Also besser mit Schmerzmittel und alle kamen zu ihrem Schlaf.


Das wirkliche Abstillen war dann recht unblutig. Sie hat einfach durchgeschlafen und damit war das Kapitel Stillen für uns abgeschlossen. Es hat noch eine Weile gedauert, bis ich das Gefühl hatte, dass sie genug Wasser oder Tee unter tags trinkt. Aber ich habe ihr vertraut, dass sie schon weiß, wie viel sie braucht. Auch bei der Essensmenge war ich zu anfangs unsicher. Das Stillen war für mich immer das Back-Up, dass sie sicher alles bekam, was sie brauchte. Aber am Ende vertraue ich ihr. Sie hat gelernt zu essen, wenn sie Hunger hat und aufzuhören, wenn sie satt ist. Das ist alles was sie braucht. Ich muss nur dafür sorgen, dass sie die richtigen Sachen bekommt, damit sie so viel essen kann wie sie will. Auf eine gesunde Ernährung habe ich von Anfang an Wert gelegt.


Fazit: das Abstillen nach BLW war mühsam. Es ging mit zeitweise viel zu langsam, dann wieder war mein Körper eher überfordert. Aber ich habe das Gefühl, dass es der Richtige weg war. Meine Tochter isst mit großer Begeisterung und auch fast alles was man ihr gibt. Sie wächst gut, hatte nie Probleme in der Entwicklung und ist motorisch super flink. Ich weiß nicht ob dieser Weg das unterstütz hat, oder wir diesen Weg nehmen konnten, weil sie die entsprechende Persönlichkeit hat. Aber für uns war es das Richtige, und ich würde es immer wieder so machen. Beim nächsten weiß ich dann auch, dass ich einfach mehr Geduld haben muss.

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