Das achte Monat/ Geduldsprobe

Der achte Monat war eine Geduldsprobe auf allen Ebenen. Irgendwie gingen uns allen die Nerven flöten. Vielleicht waren wir auch alle überfordert vom neuerlichen Lockdown mit allen Einschränkungen. Dafür hatte ich so manchen Aha-Moment, auch wenn er mir erst im Nachhinein aufgefallen ist.

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Das Nasskalte Wetter führte, wie immer, zu einem Anstieg der Erkältungserkrankungen, was in Zeiten einer Pandemie natürlich niemand will. Daher wurden wir wieder alle ins Haus verbannt. Also fast alle… es gab Ausnahmen ohne Ende. Mein Mann zum Beispiel kam natürlich nicht ins Homeoffice. Ich war also weiterhin die ganze Zeit alleine zu Hause, nur das ich halt im Grunde nichts mehr tun durfte. Sagen wir´s mal so, es hat ziemlich genervt. Besonders weil ich von genügend Leuten wusste, die sich genau Null an geltende Maßnahmen gehalten haben.


Um mich selbst abzulenken habe ich sehr akribisch das Essen meiner Tochter geplant, nur um dann doppelt frustriert zu sein, weil sie halt andere Pläne hatte. Essen war ein einziger Albtraum zu dieser Zeit. Nachdem wir im Monat davor angefangen hatten, und sie an sich sehr begeistert davon war, hatte ich gehofft, dass sich schneller Erfolge einstellen würden. Leider war dem nicht so. Meistens hat sie mehr auf den Boden geworfen als gegessen, und mehr als einmal überhaupt die ganze Mahlzeit verweigert. Mein Herz hat ziemlich geblutet, wenn ich mal wieder mehr Gemüse weggeschmissen habe, als auch nur ansatzweiße im Magen gelandet war. Die meiste Zeit habe ich mich gefragt, was ich denn falsch mache und warum sie nicht verstand, dass man das seltsame Zeug auf ihrem Teller essen soll. Im Nachhinein hätte mir eigentlich klar sein müssen, dass es eben so seine Zeit braucht. Außerdem muss so ein Baby natürlich auch ausprobieren was man mit Essen sonst noch so anstellen kann.


Auch wenn ich noch so sehr das Gefühl hatte, das sie gar nichts isst, so hat sie das sehr wohl. Merkbar war das allerdings nur an ihrer Verdauung. Sie hatte ein paar Probleme mit der Umstellung und hatte sehr lange Zeit immer mal wieder Verstopfung. Das hat dazu geführt, dass sie leider einen ziemlich wunden Popo bekommen hat. Das Problem hatten wir eigentlich ziemlich selten, auch weil wir meistens den Popo vorsorglich mit Inotyol-Salbe eingeschmiert haben. Während ich gestillt habe, hat es eigentlich nur dann Probleme mit Windelausschlag gegeben, wenn ich das „falsche“ gegessen habe. Das waren bei uns rohe Tomaten, Gurken und Paprika, alles andere habe ich essen können so viel ich wollte. Der Ausschlag den sie auf rohes Gemüse bekommen hat war aber nichts im Vergleich zu dem, was durch die Beikosteinführung passiert ist. Zuerst war es einfach nur ein Ausschlag, aber innerhalb von drei Tagen hat sich dieser, trotz Einschmieren und trocken halten, zu einem einzigen wunden Fleck verschlimmert der sogar zu nässen anfing. Da hab ich dann doch den Kinderarzt angerufen. Hingehen ging auf Grund der Pandemie zu diesem Zeitpunkt nicht so gut. Wir haben dann eine Spezialcreme verschrieben bekommen, gegen Pilzinfektionen. Drei Tage später war der Spuck dann vorbei. Leider hat es aber noch einen Weile gedauert, bis meine Tochter das Prozedere verdaut hatte, denn sie hat in der Akutphase eine ziemliche Abneigung gegen das Wickeln entwickelt.


Schon seit ihrer Geburt war sie keine begeisterte Wicklerin. Anfangs habe ich noch gehofft, dass sie es irgendwann einfach lernen würde, aber mittlerweile lebe ich einfach damit, dass sie meistens wenig begeistert ist, gewickelt zu werden. Sie zeigt auch fast nicht an, wenn sie nass ist. Da muss es schon sehr unangenehm werden, und dann ist die Hose meistens eh auch schon nass. Ich weiß nicht warum es ihr scheinbar lieber ist in der nassen Windel zu sitzen als sich Wickeln zu lassen, aber ich kann es leider auch nicht ändern. Ich wickle daher eher nach der Uhr, weil sie mir nicht wirklich zeigt, wenn es mal nötig wäre. Ihr widerstand hat sich durch den Wunden Po leider noch verstärkt, so dass für ein paar Tage wickeln ein ziemliches Schreikonzert wurde. Das hat sie zum Glück dann wieder abgestellt. Wickeln wird sie aber wohl immer doof finden.


Aufgrund der anhaltend kalten Temperaturen habe ich zum erst zweiten Mal selbst Gewand für meine Tochter gekauft. Wie bereits mehrfach erwähnt, haben wie sehr viel Gewand geschenkt bekommen, vieles davon auch schon in zweiter oder dritter Generation getragen. Nicht alles davon gefällt mir immer, aber richtig kombiniert ist fast alles zu Tragen. Doch natürlich kommen nicht alle Babys zur gleichen Zeit im Jahr auf die Welt und sie wachsen auch nicht gleich schnell. Daher haben wir manchmal das ein oder andere Stück nicht, dass man zum anpassen an die Temperaturen gerade bräuchte. Und so habe ich mir eine Herzenswunsch, den ich schon seit vor ihre Geburt hatte erfüllt und eine Plüschoverall in Teddybären Optik gekauft. Ihr kennt die sicher, sind nicht gerade das Ausgefallenste schlechthin. Aber darum ging es auch gar nicht. Ich hatte einige Monate vor ihrer Geburt ein Baby in so einem Anzug gesehen, und wollte diesen unbedingt auch haben. Und dann haben wir ohnehin etwas Warmes für draußen gebaucht…. Lange Rede kurzer Sinn, ich liebe ihn heiß. Sie hat ihn den ganzen Winter getragen und er war sein Geld alle mal Wert. Außerdem war er in dem ganzen Stress zu der Zeit auch ein Seelentröster für mich. Ich kann euch nur ans Herz legen, egal wie viel Gewand oder sonst was ihr habt, wenn es etwas ist, dass ihr Monate lang unbedingt haben wollt, dann kauft es. Sicher gibt es nachhaltigere Wege, aber manchmal dürfen wir Mütter uns auch einfach mal selber etwas Gutes tun. Und meine Tochter schien ihren Bären-Anzug zumindest nie blöd zu finden, also waren alle Beteiligten zufrieden. Und süß hat sie damit auch ausgesehen 😉.


Wie ich bereits mal erwähnt habe, leben wir in einer Zwei-Zimmer-Wohnung. Da ist nicht nur Platz Mangelware, man hat auch selten das Problem, dass man das Kind nicht hören würde. Daher haben wir uns auch zu Beginn kein Babyphone angeschafft. Als wir aber immer Sommerurlaub waren, hätten wir plötzlich eines gebraucht. Das ging noch so irgendwie, aber da sie nun immer öfter nicht auf mir sondern im Bett auch unter Tags schlief, zeigte sich, dass so ein Babyphone seine Berechtigung hat. Allein schon wenn man mal wo zu Besuch ist, wo die Schlafmöglichkeit vielleicht nicht direkt neben dem Wohnzimmer ist. Also haben wir Babyphone gesucht. Und das war gar nicht so einfach. Wir wollten keines, dass Kamera hat, und auch nichts was mit Bluetooth oder sonstigem neumoderen Zeugs ist, dass dann immer „Nach-Hause telefoniert“, wie mein Mann das Senden von Daten an den Hersteller so schön nennt. Sowas zu bekommen war nicht einfach, bei uns in der Gegend schon gar nicht. Weder in der Drogerie noch im Elektrofachhandel haben wir eines bekommen. Am Ende hat mein Mann etwas ganz andres in einem Baumarkt eine Stunde entfernt besorgt und im gegenüberliegenden Elektrofachhandel endlich eines aufgetrieben. So wirklich begeistert bin ich davon zwar nicht, es ist ziemlich schlecht verarbeitet und reagiert manchmal sehr empfindlich, dann wieder schlägt es nicht an obwohl sie schon wach ist und herum brabbelt. Aber für den Notfall reicht es.


Die Zwei-Zimmer-Wohnung wurde auch auf andere Weise auf die Probe gestellt in dieser Zeit, denn meine Tochter begann zu krabbeln. Innerhalb von einer Woche lernte sie sich selbst aufzusetzen und dann auch loszukrabbeln. Sitzen an sich, wenn man ihr aufhalf, konnte sie ja bereits. Ich muss gestehen, obwohl ich sehr gehofft hatte, dass sie bald soweit war, war ich dann trotzdem nicht so richtig vorbereitet. So hatte ich mir gar keine Gedanken darum gemacht, dass sie mir jetzt überall hin nach krabbeln konnte. Zu Anfangs machte sie das aber gar nicht so viel. Da war es eher so, dass ich hinter ihr her war, weil sie irgendwo hin krabbelte wo sie nicht hin sollte. Der erweiterte Radius zeigte uns auch schnell, wo wir uns noch keine Gedanken darüber gemacht hatten, wie wir das Kind davon fern hielten. Dinge wie Steckdosen oder Laden konnten mit dem passenden Equipment ja schnell verschlossen werden. Aber wie macht man ein Bücherregal zu? Oder einen begehbaren Schrank ohne Türen (wir haben da nur einen Vorhang, vorgesehen ist eigentlich gar nichts). In ihrem kleinen Käfig (der Gehschule) wurde es ihr natürlich in kürzester Zeit zu eng. Ich ließ also meistens die Türe offen, und sie musste lernen, über die niedrige Leiste zu kommen um dann die Wohnung zu erkunden. Zugemacht habe ich vor Allem wenn ich mal auf´s Klo wollte, oder Essen gemacht habe.


Meine Tochter liebt Wäschewaschen. Und zwar alles daran. Vom Einräumen der Waschmaschine über´s Aufhängen bis zum Wegräumen, sie ist immer mitten drinnen. Kaum konnte sie Krabbeln war ich nun ständig hinter irgendwelchen Wäschestücken her, die sie kreuz und quer durch die Wohnung beförderte. Und natürlich nicht unbedingt dort hin wo sie auch hin sollten. Geschweige denn dass es den frisch gewaschenen Dingen so gut getan hätte, durch den Staub gezogen zu werden. So oft konnte ich gar nicht Staubsaugen, dass es nicht trotzdem immer irgendwo dreckig war. Und erst der Dreck unterm Tisch….


Ich bin kein Sauberkeitsfanatiker und bei mir stehen auch schon mal ein paar Dinge länger herum als sie sollten. Aber ich kann es nicht leiden, wenn frische Dinge gleich wieder dreckig sind. Der Dreck unter Tisch wäre gar nicht so sehr das Problem gewesen, wenn meine Tochter sich nicht angewöhnt hätte, nach dem Essen unterm Tisch die Reste zusammen zu sammeln. Ich weiß nicht, warum sie das macht, aber sie macht es bis heute. Vielleicht weil sie uns immer sieht, wie wir dann zusammen räumen (auch wenn wir es natürlich nicht essen, sie aber schon). Jedenfalls kann ich gar nicht schnell genug sein, sie hat sicher schon ein Stück erwischt. Und dann hätte ich mir das Abwischen der Finger schon wieder sparen könne.


Ihr seht, der achte Monat war sehr spannend und nervenzehrend. Vor Allem die Esserei raubte mir den letzen Nerv, da waren ihre Ausflüge kreuz und quer durch die Wohnung fast noch entspannend. Aber je weniger ich mir Gedanken machte, umso besser ging es. Als ich endlich aufhörte zu wiegen wie viel sie aß, kam es mir immer öfter so vor, dass auch wirklich etwas im Magen verschwand. Und Am Ende wusste ich ja, dass sie mit Stillen auch satt wurde. Das war zwar eigentlich nicht wirklich mein Wunsch, aber zumindest hatte ich nie Sorge, dass sie zu wenig haben könnte.

Mit Ende des achten Monats begann die besinnliche Zeit des Jahres, die Weihnachtszeit. Nur war sie leider nicht so besinnlich…aber das ist eine andere Geschichte.

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