Beikosteinführung und BLW

Die Beikosteinführung ist sicher eines der emotionalsten Themen im ersten Lebensjahr. So ziemlich jeder den man trifft hat hilfreiche Tipps und natürlich eine Meinung zu allem was man da so tun kann. Aber viele Wege führ nach Rom, und am Ende wollen wir doch alle nur, dass unsere Kinder gesunde Esser sind.

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Ich habe die ersten sechs Lebensmonate ausschließlich gestillt. Es hat mich zwischendurch viel Kraft und Nerven gekostet, aber ich habe die Zeit auch sehr nett gefunden. Ich musste mir keine Gedanken machen, was ich für die Kleine kochen könnte, musste nichts mit nehmen, nichts herrichten oder wegräumen. Aber ich konnte auch kaum mal wo hin gehen, ohne sie mitzunehmen. Daher habe ich den Beginn der Beikost schon sehr herbeigesehnt.


In der Schwangerschaft habe ich mir bereits viele Gedanken dazu gemacht. Der Klassiker in unseren Breiten ist sicher der Babybrei. Da gibt es auch richtige Tabellen womit man beginnt und wie viel das Baby wann essen sollte. Für mich fühlte sich das aber absolut falsch an. Ich habe selbst ein sehr kompliziertes Verhältnis zum Essen, habe lange Zeit ein sehr gestörtes Essverhalten gehabt und kämpfe noch heute immer wieder mit meiner Körperwahrnehmung. Daher war die Beikosteinführung für mich auch mit vielen Ängsten verbunden. Ich wollte um jeden Preis alles richtig machen, damit mein Tochter Essen immer nur mit guten Dingen in Verbindung bringt. Sie sollte nie gezwungen sein etwas zu essen, sondern Spaß daran haben und sich mit Freude gesund ernähren. Ihr seht, meine Ansprüche sind hoch.


Schnell war klar, Brei ist nichts für uns. Die Vorstellung sie zu füttern, und damit zum Essen „zwingen“ ging für mich überhaupt nicht. Also begann ich mich mit BLW zu beschäftigen.


BLW bedeutet Baby lead weaning (also Baby geleitetes Abstillen) und bedeute, dass das Baby entscheidet was, und wie viel es essen möchte und ob es noch stillen möchte, oder nicht. Aus meiner Sicht eine relativ logische und natürliche Form der Beikosteinführung. Ein echtes Aha-Erlebnis hatte ich bei der Recherche als in einem der Texte stand: es heißt ja schließlich BEI-kost und nicht ANSTATT-kost. Da wurde mir klar, dass das mit dem mal so eben schnell Abstillen nichts werden würde.


Das hat mich durchaus wieder zögern lassen. Ich wollte nicht unbedingt ewig stillen. Doch die Vorzüge des BLW überwogen für mich.


Wesentlicher Punkt dabei ist, dass die Kinder komplett alleine Essen. Sie müssen es also greifen und in den Mund bringen können, es wird nicht gefüttert. Brei fällt dabei natürlich weg, da er nicht sinnvoll in die Hände genommen werden kann. Meistens beginnt man daher mit gedünstetem Gemüse.


Damit man nach BLW Beikost einführen kann, müssen die Kinder die sogenannten Beikostreifezeichen erfüllen. Das sind:

Das Baby kann mit minimaler Unterstützung aufrecht sitzen.

Das Baby greift nach Dingen und führt sie zum Mund.

Das Baby hat Interesse am Essen und möchte es probieren.

Das Baby kann Essen im Mund behalten und spuckt es nicht sofort wieder aus.

Das Baby kaut und schluckt Essen herunter.


All das ist meist nicht vor dem sechsten Lebensmonat der Fall, weswegen man mit BLW nicht früher starten kann. Bei meiner Tochter war das Sitzen das Letze, auf das wir gewartet haben. Interesse an unserem Essen hatte sie schon mit drei Monaten, wie sie auch schon mit drei Monaten alles in den Mund gesteckt hat. Ob ein Kind Essen im Mund behält und kaut kann man natürlich nur mit Essen aus probieren. Aber man merkt es dann auch ziemlich schnell.


Die Freiwilligkeit bei dem Ganzen kommt schon alleine durch die Darreichungsform. Wenn ich meinem Kind nur Gemüsesticks anbiete werde ich mir schwer tun es zu zwingen sie auch zu essen. Ich kann es schließlich nicht dazu bringen abzubeißen. Bei Brei wiederrum kann das Kind ihn nicht selbst nehmen, daher ist die freie Wahl da etwas gehemmt. Natürlich essen auch Breikinder freiwilligt. Schließlich stopft hoffentlich niemand seinem Kind den Löffel einfach in den Mund. Aber ein Kind dabei zu sehen wie es begeister ein Stück Karotte in die Hand nimmt, abbeißt und kaut, lässt kaum Zweifel zurück.


Wir haben mit Birne angefangen. Wie auch bei der Beikost mit Brei muss man immer ein Lebensmittel nach dem anderen einführen. Nur dann merkt man, ob das Baby vielleicht irgendwas nicht gut versträgt. Da wir gerade reife Birnen von meinen Schwiegereltern hatten, hat sich das bei uns angeboten. Aber es gehen auch viele andere Obst und Gemüsesorten wie: Bananen, Äpfel, Karotten, Kartoffel, Pastinaken, Süßkartoffel, Zucchini, Broccoli und noch vieles Mehr. Natürlich müsst ihr euch bei allem immer überlegen ob ihr es kochen oder dünsten müsst. Birne und auch Banane geht auch so, aber fast alles Andere muss am Anfang gekocht werden, damit es nicht zu hart ist.


Damit kommen wir zu einem weiteren Punkt. Fast alle mit denen ich gesprochen habe, hatten zunächst bedenken, weil meine Tochter das essen ja gar nicht kauen könnte. Sie hatte zu dieser Zeit noch keine Zähne. Dazu kann ich auch aber beruhigen. Die Kauleiste (wo der Name wohl her kommt 😉) ist auch ohne Zähne ziemlich hart und kann gut Dinge zerdrücken. Und kauen gehört ohnehin zu den Reifezeichen. Abbeißen ist ohne Zähne natürlich etwas schwierig, aber bei gedünstetem Gemüse war das für meine Tochter überhaupt kein Problem. Viele haben sich auch Sorgen gemacht, dass meine Tochter sich verschlucken könnte. Das hat sie tatsächlich kein einziges Mal. Ob das an ihr selbst lag oder nicht weiß ich nicht. Ich hab gelesen, dass Breiesser sich eher verschlucken, weil sie die Größe des Bissens nicht einschätzen können (schließlich geben ja wir Erwachsenen das Essen auf den Löffel), aber das kann auch ein Mythos sein.


Zu anfangs landete das Essen bei meiner Tochter überhaupt nicht im Magen. Meist hat sie es lieber herumgeworfen oder so lange darauf herum gelutscht bis es komplett aufgeweicht und zu Brei verarbeitet auf den Teller getropft ist. Hat sie sich ein größeres Stück doch einmal tief genug in den Mund gesteckt, so hat sie es schnell wieder hervor gewürgt. Der Würgereflex bei Babys ist sehr weit vorne auf der Zunge. Das dient dem Schutz vorm Verschlucken von kleinen Gegenständen. Erst durch wiederholtes „sich Dinge in den Mund stecken“ wandert dieser Punkt weitern nach hinten und dann kann Essen überhaupt heruntergeschluckt werden. Bis es soweit ist, schlucken Babys nur Flüssiges herunter. Daher kann man kleineren Babys auch nur Brei füttern.


Die ersten Wochen habe ich immer nur an der Windel gemerkt, dass meine Tochter sehr wohl auch etwas heruntergeschluckt haben musste. Denn man konnte die mehr oder weniger gut zerkauten und verdauten Stücke sehen. Das ist zu anfangs komplett normal. Die Verdauung muss sich erst auf die neue Nahrung einstellen und kann noch gar nicht richtig damit umgehen. Daher hatte meine Tochter am Anfang auch oft Verstopfung.


In allen Berichten zur Beikost die ich gelesen habe, stand immer, man soll eine Mahlzeit nach der Anderen ersetzen, meistens wird mit dem Mittagsessen angefangen. Nun, was soll ich sagen… wir haben es ganz anders gemacht. Wir haben mit dem Abendessen angefangen. Damit meiner Tochter leichter klar wird, dass sie die komischen Dinger auf ihrem Teller essen soll, wollte ich, dass sie sich uns als Vorbild nehmen konnte. Da wir aber nur abends alle zusammen am Tisch sitzen und essen, Morgens und Mittags war ja nur ich zuhause, war das so am einfachsten. Sie saß also in ihrem Hochsitz und bekam einfach ein bisschen Gemüse oder Obst, während wir unser Essen gegessen haben. Das hatte auch den Vorteil, dass wir in Ruhe essen konnten, während sie mit ihrem Essen beschäftig war. Ich habe da versucht so wenig wie möglich einzugreifen. Wenn sie was runter geworfen hat, habe ich es einfach wieder aufgehoben und sonst hat sie ganz für sich erkunden können, was das denn nun ist. Nach dem Essen habe ich gestillt, damit sie satt wurde. Ich hatte auch immer die Hoffnung, dass nachher stillen hilft zu verstehen, dass das Essen zum Satt-werden da ist, aber ganz sicher bin ich mir da nicht.


Da beim BLW nicht allzu viel im Magen landet und außerdem die Kinder immer auch nachstillen dürfen, habe ich das „Mahlzeit für Mahlzeit“ einführen recht schnell über Bord geworfen. Es hat sich für mich einfach umständlich und total langatmig angefühlt. Nach ca. einem Monat habe ich ihr einfach immer wenn ich selbst etwas gegessen habe (also morgens, mittags, abends) auch etwas hingestellt. Damit waren auch gleich feste Zeiten für das Essen und eine Tagesstruktur dabei, die meiner Meinung nach auch hilft, um Kinder klar zu machen, dass jetzt Essenszeit ist. Ich habe mich da durchaus an ihren Rhythmus gehalten, und nach Möglichkeit gegessen, wenn ich wusste, dass sie jetzt auch Hunger haben würde.


Gerade beim Frühstück war das etwas schwierig, da sie gerne nach dem Aufstehen gestillt hat, und dann natürlich satt war. Ich habe also angefangen dieses Morgenstillen wegzulassen, und ihr nach Möglichkeit zuerst Obst anzubieten, ehe sie gestillt hat.


Meine Tochter hat gerne gegessen, wenn auch nicht sehr viel. Die in den meisten Texten zitierten 200g pro Mahlzeit waren Utopisch bei uns. Schon alleine weil sie ja nicht nur drei Mahlzeiten am Tag hatte. Aber selbst wenn ich die gesamten 600g auf den Tag zu verteilen versuchte, war sie meilenweit davon entfernt. Das hat mich ziemlich verrückt gemacht. Ich konnte nie einschätzen ob sie nun satt war oder nicht, und habe immer auch noch die Brust gegeben, was mich extrem genervt hat, weil ich das Gefühl hatte, ich könnte mir die Esserei sparen, wenn sie dann ja eh erst recht noch stillt. Aber natürlich stimmt das so nicht. Zum Einen musste sie ja erst lernen sich satt zu essen, zum Anderen hat sie ja auch immer weniger pro Mahlzeit gestillt, das habe ich nur halt erst langsam gemerkt.


Die ersten Wochen, ich glaube sogar Monate, habe ich immer gewogen wie viel sie gegessen hat. Also den Teller mit Essen vor und nachher. Meistens hat es mich geärgert, weil es nicht besonders viel war. Irgendwann habe ich es dann sein gelassen. Da sie ohnehin auch gestillt wurde, musste sie sich ja nicht satt essen, also war es auch egal, wenn sie mal weniger aß. Wie auch schon beim Stillen, als ich aufgehört habe mitzuschreiben wie viel und oft sie getrunken hat, hat das einem Menge Druck heraus genommen. Ich habe es sozusagen ihr überlassen wie viel sie isst, und musste mir nur noch überlegen, das sie genug Nährstoffe bekommt.


Und damit sind wir beim letzen Thema des heuteigen Abschnittes. Die Nähstoffe. Zunächst einmal vorweg, ein vollgestilltes Kind bekommt alles was es braucht. Das hat die Natur schon so eingerichtet. Bekommt es nun zusätzlich noch Gemüse oder Obst, wird aber nicht gestillt, holt es sich natürlich weiterhin alles was es braucht aus der Muttermilch. Es gibt ein paar Dinge, die in der Muttermilch nicht so viel enthalten sind, allen voran Eisen. Daher sollte man schauen, dass man möglichst bald Eisen in anderer Form anbietet. Möglichst bald heißt hier immer noch nach dem sechsten Lebensmonat, wenn die Kinder überhaupt schon Beikostreif sind. Das muss nicht unbedingt Fleisch sein, auch wenn es überall so steht. Es gibt auch Gemüse und Getreidesorten, die viel Eisen enthalten. Ich bin kein Verfechter einer vegetarischen oder gar veganen Ernährung, ich halte sie sogar für ungesund. Der Mensch ist nun mal ein Allesfresser. Aber der Speiseplan sollte immer viel mehr Obst und Gemüse beinhalten als Fleisch, und Fleisch sollte bei weiten nicht jeden Tag gegessen werden.


Als Eisenquelle haben wir Hafer genommen. Der ist nicht nur gut verdaulich und sehr vielseitig, er hat auch echt viel Eisen, dass in Verbdingung mit Zitronensäure (die in fast jedem Obst enthalten ist) kann der Körper das Eisen auch recht gut aufnehmen. Daher habe auch ziemlich früh Hafer angeboten. Da werdet ihr auch jetzt wahrscheinlich fragen: Wie? Haferbrei fiel ja weg, also habe ich einfach Hafer mit Apfelmus gemischt und daraus Stangen Gebacken. Die hat meine Kleine gut greifen und abbeißen können, und sie hat sie absolut geliebt. Sind auch mit Birnen und Bananen ein Highlight und kamen eigentlich immer gut an.


Ich habe nach Möglichkeit jedes Lebensmittel zunächst unverarbeitet (außer es muss gekocht werden) gegeben, damit sie den Geschmack, die Konsistenz und das Aussehen wirklich erkennen und entdecken kann. Das geht natürlich nicht mit allem. Der oben angesprochen Hafer ist separat nicht zu geben. Manches mochte sie auch so nicht, Kartoffel zum Beispiel. Die wollte sie lieber als Herzoginnen-Kartoffel mit Ei haben. Auch Süßkartoffel hat sie zu anfangs lieber auf diese Art gegessen. Nachdem wir auch Weizen eingeführt haben (zu anfangs viel Vollkornweizenmehl, später auch glattes Mehl) habe ich auch Gemüse oder Obstwaffeln gemacht. Das war auch eine gute Methode ihr unbeliebtere Dinge wie Zucchini (die sie mittlerweile sehr gerne isst, auch als erkennbares Gemüse) schmackhaft zu machen.


Natürlich muss man ein bisschen im Auge behalten, dass sie Ernährung nicht zu einseitig ist. Wir haben relativ viele Dinge mit Ei gehabt, weswegen ich angefangen habe das Ei durch Leinsamen oder Apfelmus zu ersetzen, je nach dem was besser gepasst hat.


Trotz all der unterschiedlichen Lebensmittel und drei Mahlzeiten am Tag hat meine Tochter noch immer besonders nachts auch gestillt. Zusätzlich hatte sie vormittags und nachmittags auch noch zwei Mahlzeiten mit ausschließlich Muttermilch. Mich hat das ziemlich genervt, aber ich wusste auch nicht, was ich hätte tun sollen. Ich hatte mich nun mal dafür entschieden, sie entscheiden zu lassen. Mein Mann und ich haben dann die Abmachung getroffen, dass sie bis zu ihrem ersten Geburtstag stillen durfte, dann würden wir uns was überlegen, wie wir sie davon weg bekämen. Sie hat uns das zum Glück erspart, aber darum geht es ein anderes Mal.


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