Das siebte Monat/ Essen fassen

Unser siebtes Monat brach an, und damit der große Schritt der Beikost. Damit ändern sich viele Dinge im Alltag mit Baby und diese Änderungen können so ihre Zeit bauchen. Vor allem ist es eine Geduldsprobe für alle beteiligten.

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Gegen Ende des sechsten Monats hat meine Tochter Sitzen gelernt. Oder besser, sie konnte sich selbst halten, wenn man sie wo hin gesetzt hat. Das war das letzte Beikostreifezeichen, auf das wir noch gewartet haben. Zur Beikosteinführung, den Reifezeichen und alles was da dazu gehört werde ich ein extra Kapitel schreiben. Aber natürlich ist gerade der erste Monat mit Beikost ziemlich aufregend für alle. Meine Tochter ist eine Breifrei-Esserin. Das heißt sie hat von Anfang an Obst und Gemüse in Stücken bekommen, die sie selbst aufheben, abbeißen und kauen musste. Anders als bei Brei heißt das, dass sie immer selbst entscheidet, ob sie das jetzt wirklich essen will.


Babys stecken ja so ziemlich alles in den Mund. Meine Tochter ist da bis heute (mit mittlerweile über einem Jahr) noch nicht heraußen. Daher stecken sie sich natürlich auch ein angebotenes Stück Obst in den Mund und kaufen drauf herum. Aber von herumkauen wird man natürlich nicht satt, das Essen muss halt auch geschluckt werden, und das ist dann schon wieder nicht so einfach. Wir haben mit Birne angefangen, weil sie süß ist und außerdem auch roh gegessen werden kann. Daher muss man einfach nur die Birne aufschneiden und hat wenige Vorbereitungen zu treffen. Und übriggebliebenes habe ich einfach selbst gegessen. Banane, die wir auch versucht haben, hat sie zu dieser Zeit überhaupt nicht wollen (mittereile liebt sie Banane, aber das kann sich ja immer ändern). Sagen wir es mal so, die ersten Wochen ist sicher mehr am Boden, am Kopf oder in der Hose gelandet als im Magen. Ich habe mit dem Abendessen angefangen, da es die Zeit ist, bei der die ganze Familie am Tisch sitzt. Da sie ja schon alleine in ihrem Hochsitzt (wir haben einen Triptrap-Nachbau ohne Tisch) sitzen konnte, und sie ihre Obststicks selber greifen musste, konnten wir selbst daneben essen. Wie gesagt, wirklich was gegessen hat sie anfangs sowieso nicht. Und nach dem Essen habe ich gestillt.


Wir haben nach BLW (auch das erkläre ich im Kapitel zu Beikost genauer) gearbeitet, was im Endeffekt heißt, dass sich das Baby mit minimaler Hilfe selbst von Muttermilch auf feste Nahrung umstellt. Das hieß natürlich auch, dass ich im Grunde ganz normal weiter gestillt hab. Also von weniger Abhängigkeit war da noch lange nicht die Rede. Aber wir hatten zumindest die Möglichkeit sie mit etwas zu beschäftigen, wenn ich am Abend in der Arbeit war. Das hat auch sehr geholfen, und sie hat nicht mehr die knapp 2 ½ Stunden durchgebrüllt. Das hat sich zu dieser Zeit allerdings ohnehin erledigt. Am Ende des siebten Monats sind die Corona-Fallzahlen wie so gestiegen, dass Jugendzentren wieder schließen mussten. Ich war also wieder zuhause. Meine Tochter war darüber nicht gerade unglücklich. Auch wenn ich es schade fand, denn ich glaube es hätte nicht mehr lange gedauert, bis sie sich daran gewöhnt hätte.


Leider hat sie ansonsten relativ viel gejammert zu dieser Zeit. Es kam viel zusammen, daher kann ich es sogar verstehen. Ihre Verdauung musste sich auf feste Nahrung einstellen und gleichzeitig unbekannte Lebensmittel verarbeiten. Davon hatte sie leider immer mal wieder Verstopfung und Bauchweh.


Da sie sitzen konnte habe wir auch den Buggy-Aufsatz auf den Kinderwagen montiert (zu mir gedreht, damit sie mich immer sehen konnte). Das war natürlich extrem aufregend. Damit waren die Spaziergänge leider meist so spannend, dass an Schlafen nicht zu denken war. Überhaupt hat sie sehr schlecht geschlafen. Tagsüber konnte sie sich nicht entscheiden ob zwei Mal schlafen ausreicht, oder sie doch noch drei Mal schlafen möchte. Entweder sie war zu wach zum Einschlafen, oder sie war übermüdet und konnte davon schlecht einschlafen. Das hat natürlich auch unsere Nachtruhe stark gestört. Sie war sehr oft wach, teilweiße fünf Mal, und wollte zwar fast immer stillen, aber viel gegessen hat sie meistens nicht. Es war für uns alle eine sehr anstrengende Zeit.


Das Wetter wurde schlechter und kälter, so dass ich auf wärmere Sachen und Fellsack im Kinderwagen umstellen musste. Das war an sich zwar super, weil sie mit dem Sack nicht rausfallen konnte. Der Buggyaufsatz war ihr noch ein bisschen zu groß, aber die Babywanne zu langweilig. Wir haben schon überlegt ihr einen zusätzlichen Polster zu nähen, aber der Fellsack war die einfachere Methode. Leider verweigerte sie aber jede Form der Handbedeckung (Handschuhe usw.) und hatte immer kalte Finger. Da sie zusätzlich immer auf ihren Hände gekaut hat, weil ihre Zähne geschoben haben, waren die Hände teilweiße rot vor Kälte. Zu dieser Zeit hatte ich die Hoffnung, dass die Zähne in absehbarer Zeit kommen würden, bereits aufgegeben und ertrug ihr Gejammer einfach.


Wie ihr euch vielleicht erinnern könnt, habe ich schon früher immer wieder erwähnt, dass wir in Zeiten einer Pandemie sind. Das brachte verschiedenste Einschnitte mit sich. So mussten größere Veranstaltungen ein Konzept zur Prävention einer Ansteckung haben. Meine beste Freundin hat ein Modecollege besucht und zu dieser Zeit ihren Abschluss gemacht. Sie durfte im Rahmen einer Fashion Show ihre Kollektion ausstellen, wozu sie uns eingeladen hat. Mein Mann wollte dorthin nicht mitgehen, weshalb mich meine Mutter begleitete, damit sie mit der Kleinen raus gehen konnte, falls es ihr zu laut wurde. Das Ganze zu organisieren war gar nicht so einfach. Die Karten waren zwar frei, dafür musste man eine ziemlich komplizierte Anmeldung durchführen um sich dann mittels QR-Code vor Ort die echte Karte zu holen. Es galt Maskenpflicht am ganzen Gelände. Da wir jede Ansteckung unbedingt vermeiden wollten, haben wir uns sogar FFP2 Masken besorgt. Die waren zu dieser Zeit sehr schwer zu bekommen und sehr teuer. Aber das war es mir wert, weil ich so seit über einem halben Jahr das erste Mal wieder wirklich unter Menschen war. Meine Tochter hat das Ganze ziemlich gut mit gemacht, sie ist während der Show am Arm meiner Mutter sogar eingeschlafen. Die Veranstalter waren total nett, und haben uns extra die Sitzplätze getauscht, so dass wir ganz hinten am Rand sitzen konnten, um schnell mit ihr raus zu können, was dann gar nicht nötig war. Aber wir hatten auch gleich die offene Tür neben uns, wodurch es nicht so heiß und stickig war. Alles im allem also eine echt gelungene Aktion. Und ich hab mal wieder fest gestellt, wie viel man auch mit Baby machen kann, auch wenn es manchmal etwas mehr Aufwand ist.


Das war übrigens die erste und letze größere Veranstaltung auf der ich im gensamten ersten Lebensjahr meiner Tochter war. Denn kurz darauf machten wieder fast alle öffentlichen Einrichtungen zu und wir waren wieder nur zu Hause.


Durch die starke Einschränkung des öffentlichen Lebens wurde es sehr still um uns herum. Freunde getroffen habe ich zu dieser Zeit ohnehin nicht allzu oft, aber es gab nun auch wieder fast keine Möglichkeiten dafür. Natürlich war mir bewusst, dass wir an sich schon jemanden treffen konnten. Aber die Vorbereitung war zu dieser Zeit noch nicht allzu einfach, und mich stresste schon der normale Babykram genug, so dass ich nicht auch noch darüber nachdenken wollte, ob wir uns womöglich angesteckt haben könnten. Ich stellte mich also auf einen eher etwas einsamen Winter ein. Allerdings hatte ich mit meiner Tochter ohnehin genug zu tun.


Farzit des siebten Monats: das mit dem Essen ist gar nicht so einfach. Und man darf am Anfang echt nicht viel erwarten. Zu dieser Zeit war ich hoch motiviert und dachte, wir würden dass sicher schnell und gemütlich über die Bühne bringen. Ihr anfängliches Essen herumwerfen war für mich voll ok, schließlich musste sie ja erst lernen, wofür das da sein sollte. Ich wusste ja noch nicht, wie lange das dauern kann. Aber das ist dann die nächste Geschichte.

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