Stoffwindeln

Nur ein kleiner Teil der Weltbevölkerung wickelt seine Kinder so, wie es in unseren Breiten üblich ist. In vielen, vor allem ärmeren Ländern, wird gar nicht gewickelt. Die Babys bekommen, wenn überhaupt, ein Stück Stoff umgebunden, was sehr weit weg von einer Stoffwindel, wie es sie bei uns gibt, ist. So gesehen ist die Frage nach der Windel ein ziemliches Luxusproblem.

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In unseren Breiten ist es eher üblich seinem Baby eine Windel an zu ziehen. Es gibt auch die Möglichkeit sein Kind windelfrei zu erziehen. Dabei wird das Baby über die Toilette gehalten, wenn man das Gefühl hat, es muss mal, und es braucht an sich gar keine Windel. Ich gebe offen zu, dass mir diese Methode zu viel Arbeit war. Außerdem ist es auch gar nicht so einfach, wenn man mal unterwegs ist, oder aus sonst irgendeinem Grund nicht sofort mit dem Baby aufs Klo kommt.


Wie im Kapitel zum Wäschewaschen angemerkt, versuche ich möglichst wenig Müll zu produzieren. Daher kamen Wegwerfwindeln für mich ziemlich schnell nicht mehr in Frage. Und damit habe ich mich mit der nahezu unendlichen Vielfallt von Stoffwindeln konfrontiert gesehen. Die Stoffwindeln heut´ zu Tage haben nur noch sehr entfernt etwas mit denen gemeinsam, mit denen die ganze Wicklerei mal angefangen hat. Natürlich kann man auch heute noch mit einem Stofftuch eine Windel falten und sie seinem Kind anziehen. Es gibt aber auch bei weitem einfachere Modelle.


Da sind wir schon mal bei einem sehr wesentlichen Punkt, was Stoffwindeln betrifft. Es gibt sehr viele unterschiedliche Marken und Modelle, die alle ein bisschen anders in der Handhabung sind. Man könnte sagen: „Da ist für jeden Geschmack was dabei.“ Daher sollet ihr euch nicht beirren lassen, weil euch das Modell eurer Freundin, Schwägerin oder sonst wem nicht gefällt. Wenn ihr einfach einmal sehen wollt, was es so alles gibt, solltet ihr euch nach einer Stoffwindelberatung umsehen. Meistens wird das in Geschäften angeboten die an sich auch Stoffwindeln verkaufen. Manchmal könnt ihr auch da auch jemanden nach Hause kommen lassen, der euch dann unterschiedliche Modelle zeigt.


Meine Cousine hat so einen Kurs gemacht, um dann zu merken, dass sie keine der vorgeführten Modelle haben will. Sie hat dann noch weiter gesucht, und ist schließlich bei einem Modell gelandet, wo man tatsächlich eine altbekannte Stoffwindel als innerste Lage faltet. So kann es also auch gehen.


Ich selbst habe keine Beratung gemacht. Zum Einen, weil ich solche Kurse im Allgemeinen meide (mir sind das schon unter Normalumständen zu viele Menschen), zum anderen, weil es bei mir in der Gegend auch keine gegeben hätte. Ich habe mir stattdessen ein Probierpacket bestellt (den Link zu der Seite, über die ich das bezogen habe schreib ich ganz unten hin). Das war so bestellt, dass es kommen würde, wenn meine Tochter auf der Welt war, und wir konnten uns dann zwei Wochen lang durch alle von diesem Versand angeboten Marken und Modelle durchprobieren. Das hatte den Vorteil, dass ich die Modelle direkt an meinem Baby anschauen konnte, und auch gleich im Alltag ausprobiert habe. Sozusagen unter Realbedingungen. Damit fällt einem natürlich eher auf, ob dieses Modell etwas für einen ist oder nicht.


Bei uns gibt es einen sogenannten Windelgutschein. Das ist ein Zuschuss vom Land, den man bekommt, wenn man sich für Stoffwindeln entscheidet. Sie fördern dann den Kauf mit einem bestimmten Betrag, je nachdem wie viele Windeln man anschafft. Dafür kommen jedoch nur bestimmte Modelle in Frage. In meinem Probierpacket waren die Marken dafür alle enthalten, und ich habe auch nur die ausprobiert. Aber selbst dann ist die Auswahl noch unüberschaubar.


Zunächst einmal muss man sich für eine Kategorie entscheiden. Stoffwindeln gibt es als: All in One, All in Two und All in Three. Fangen wir mit dem einfachsten an. All in One (AIO) heißt, dass man die Windel im Grunde wie eine Wegwerfwindeln nur anziehen braucht und nach erledigtem Geschäft kommt auch das ganze Ding, so wie es ist, in die Waschmaschine. Wobei stimmt nicht ganz, feste Bestandteile (also Stuhl) sollte immer vor dem Waschen entfernt werden. All in Ones sind also die unkompliziertesten. Sie eigenen sich auch für ungeübte Wickler und wenn man möglichst wenig Arbeit haben will. Leider braucht man von ihnen dafür meist recht viele, da man ja immer die gesamte Windel nach jedem Mal benutzen waschen muss. Außerdem sind sie meist etwas teurer.


All in Twos (AI2) kommen dann schon (wie der Name sagt) in zwei Teilen daher. Sie bestehen aus einem Saugkern innen und einer Wasserdichtern Schicht außen, die man aber voneinander trennen kann. Das hat den Vorteil, dass man das Äußere wiederverwenden kann, wenn man einfach den Saugkern wechselt. Daher braucht man weniger Überhosen als Saugkerne und muss weniger oft alles waschen. Dafür muss man halt auch die Windeln erst einmal zusammen bauen.


Bei der All in Three (AI3) gibt es dann drei Teile. Im inneren liegt der Saugkern, darüber kommt die wasserabweisende Innenwindel, und darüber schließlich eine Außenwindeln, die dem ganzen Form und Stabilität gibt. Man hat hier also drei Teile, die man auch separat tauschen kann, und muss daher weniger oft waschen. Natürlich bedeutet es aber auch beim Zusammenbauen mehr Arbeit.

Viele Marken bieten Modelle jeder der genannten Kategorien an. Ihr seid also meist nicht eingeschränkter, nur weil ihr gerne eine AIO oder eine AI3 wollt.


Neben der Wahl der richtigen Kategorie, kommt dann noch die Frage des Materials. Jede der Schichten kann aus mehreren Materialien gemacht werden.


Der Saugkern ist oft aus Baumwolle oder Bambusfaser gefertigt. Es muss vor allem Flüssigkeit rasch aufnehmen können und zugleich möglichst gut für Babys´ Popo sein. Zusätzlich zum Saugkern kann man in jedem der drei Modelle immer auch ein Vlies packen. Dieses fängt den Stuhl ab und macht es einfacher bei der Entsorgung, Außerdem schützt es den Saugkern, damit dieser länger saugfähig bleibt.


Innenwindeln müssen Wasserabweißend sein, weswegen sie oft Kundstoff beschichtet sind. Man kann aber auch mit Wolle arbeiten, die dann eingefettet wird. Das ist natürlich ein weiter Arbeitsschritt der immer mal wieder gemacht werden muss. Dafür werden Wollhosen eher mit der Zeit besser, während PUL (das ist der meistens verwendete Kunststoff) mit der Zeit brüchig und undicht wird.


Die Überhosen (wenn es sich um AI3 handelt) sind dann oft schön gemustert und können im Sommer auch mal die Hose komplett ersetzen. Bei AI2, bei denen Innen- und Außenwindeln verschmolzen sind, ist dann das äußere meist auch gemustert. Überhosen gibt es oft auch in mitwachsenden Varianten, bei denen man dementsprechend weniger kaufen muss.


Das mit der Größe ist bei Stoffwindeln so eine Sache. Sie sind meist anders gestaffelt als die Wegwerfwindeln im Geschäft und viele Herstelle haben ihre ganz eigenen Größenangaben. Daher sollet ihr immer genau schauen, welche Größe ihr braucht. Wie auch bei Wegwerfwindeln ist die Größe im Gewicht des Kindes angegeben. Jede Größe entspricht dann einem Gewichtsbereich. Mitwachsend bedeutet dann einen dementsprechend größeren Gewichtsbereich. Meist wird das durch Knöpfe an der Windel erreicht, mit denen man sie dann zusammenziehen kann, so dass sie auch für kleinere Babys passt. Je nach Hersteller ist auch der Saugkern entweder Unigröße, mitwachsend oder auf eine bestimmte Größe festgelegt. Je nach dem für welches Modell ihr euch entscheidet, kann das bedeuten, dass ihr ziemlich viele Windeln braucht, da bei nicht mitwachsenden Modellen jede Größe wieder extra besorgt werden muss, und natürlich trotzdem in einer bestimmten Anzahl vorhanden sein sollte. Dafür haben die fixen Größen meist den Vorteil, dass sie besser sitzen, da die Mitwachsenden ja durch das Verstellen immer mal wieder zu eng oder zu weit sind.


Wie viele Windeln ihr pro Größe, oder bei Mitwachsenden insgesamt braucht, hängt viel von euch selbst ab. Ich selbst möchte so selten wie möglich waschen müssen. Daher habe ich mehr Windeln gekauft, damit sie mir nicht so schnell ausgehen. Da Stoffwindeln nicht so viel saugen wie Wegwerfwindeln, muss man öfter Wickeln. Die Faustregel, man braucht gleich viele Windeln stimmt also leider nicht. Gerade am Anfang habe ich oft 10-12 Windeln pro Tag gebraucht. Und daher erst recht jeden zweiten Tag gewaschen. Mittlerweile hat es sich auf ca. 5 Windeln eingespielt. Wobei wir nachts eine Wegwerfwindel verwenden. Damit wasche ich im Moment meist alle vier Tage. Mehr als vier oder fünf Tage solltet ihr die dreckigen Windeln aber ohnehin nicht lagern. Beim Waschen ist wichtig, immer auf die Angaben des Herstellers zu achten. Ich habe am Begin ein paar Überhosen ruiniert, weil ich sie falsch gewaschen habe. Spezielles Waschmittel ist meistens nicht nötig, außer vielleicht bei Wolle.


Das war jetzt schon eine ganze Menge Theorie und dabei habe ich schon versucht wirklich nur die wichtigsten Eckdaten an zu geben. Ihr seht: Stoffwindeln könne einen ziemliche Wissenschaft für sich sein. Trotzdem habe ich es noch keine Moment lang bereut, mich für sie entschieden zu haben.


Wir selbst haben Totsbots Peenuts. Das sind Mitwachsende AI2 Windeln einer Britischen Firma mit PUL-Überhose und Bambussaugkern. Zusätzlich gebe ich noch ein Bio-Vlies von Grün-Specht hinein (ich bekomme übrigens nichts für das Nennen der Marken, das ist also keine bezahlte Werbung). Mir war bei der Auswahl die einfache Handhabung wichtig. Sie bestehen nur aus zwei Teilen die mit Druckknöpfen zusammengehalten werden. Viel fasch kann man beim zusammenbauen also nicht machen. Außerdem machen sie keinen riesigen Windelhintern. Das war mir auch wichtig, da ich nicht wollte, dass meine Tochter sich durch den vielen Stoff womöglich gestört und eingeschränkt fühlt. Da wir bereits als sie zwei oder drei Wochen alt war komplett auf Stoffis umgestellt haben, ist sie es so gewöhnt, und hat noch nie Probleme gemacht. Nur nachts trägt sie Wegwerfwindeln, einfach weil wir uns damit das Wickeln ersparen und nicht aufstehen müssen.


Ich habe das Starterset neu gekauft und dann nach ein paar Teile Second Hand erworben. Die Saugkerne waren in einem super Zustand, die Überhosen leider nicht. Gerade bei PUL kann ich euch daher nicht raten Second Hand zu kaufen. Außer natürlich ihr kennt den Verkäufer und wisst, dass sie noch dicht sind. Alles andere (Saugkern, Wetbag, Wickelauflagen usw.) lassen sich super Second Hand kaufen. Wenn ihr ohnehin vor habt mehr als ein Kind mit den Stoffwindeln zu wickeln, ist eine Neuanschaffung ohnehin rentabel. Und am Ende lassen sich viele Dinge auch wieder weiterverkaufen. Damit seid ihr dann meistens erheblich günstiger unterwegs, als mit Wegwerfwindeln, selbst wenn man Wasser und Strom fürs Waschen mitrechnet. Nur einen Trockner solltet ihr nicht verwenden, das verhaut euch die Öko-Bilanz wieder. Sonne und Lufttrocken ist für die Windeln aber ohnehin das Beste. Das Material mag Trockner meistens nicht und Sonne bleicht auch Flecken von Stuhl und Pipi gut aus.


Was euch natürlich klar sein muss, ist, dass ihr mit den Fäkalien eures Kindes stärker in Berührung kommt, als wenn ihr mit Wegwerfwindeln wickelt. Stuhl muss separat entsorg werden, bei längere Lagerung sollte Urin ausgewaschen werden. Windeln beginnen immer irgendwann zu riechen, Stoffwindeln natürlich auch. An sich sollet ihr darauf achten, dass ihr Luft an sie heran lässt, damit sich kein Ammoniak bildet (das Stink dann unerträglich). Daher nicht unbedingt geschlossene Windelkübel verwenden. Und wenn es anfängt zu riechen, einfach waschen.


Bei allen Lobeshymnen an die Stoffwindeln, steht es jedem frei, sich auch dagegen zu entscheiden. Und auch wenn ihr es zunächst versuchen wollt, müsst ihr natürlich nicht dabei bleiben. Wenn ihr merkt, es stresst euch mehr, als es auch Freude macht, oder ihr kommt vor lauter Waschen und Herrichten gar nicht mehr dazu euch um euch selbst und euer Baby zu kümmern, dann ist es immer besser, einfach auf Wegwerfwindeln um zu stellen. Wichtig ist immer euer eigenes Wohlbefinden, alles andere ist nur halb so wichtig.


Zuletzt noch der versprochen link unter dem ihr Testpacket und auch Stoffwindeln bekommt. Auch hier bekomme ich nichts dafür, ist also nur als Hilfestellung für euch. https://pihappy.at/

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