das fünfte Monat/ Baby auf Reisen

Sommer, Sonne, Strand und… Moment, da war ja was. Unser fünfter Monat war eine Berg- und Talfahrt, im wahrsten Sinne des Wortes. Zwar beruhigte sich die Lage zu dieser Zeit gerade etwas, doch wir steckten noch immer mitten in einer Pandemie und waren daher mehr oder weniger eingeschränkt in unserem Bewegungsradius.

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Meine Tochter hat ihren eigenen Bewegungsradius zu Beginn des fünften Monats einmal ordentlich erweitert. Nachdem sie bereits einige Zeit sich wie ein Uhrzeiger gedreht hat, und damit gerne auch mal ihren Spielebogen durch die Gegend geschoben hat, hat sie es dann auch geschafft, sich selbst auf den Bauch zu drehen. Ich bin in so ziemlich allen Belangen der Meinung, dass sie alles von sich aus und in ihrem Tempo lernen muss. Daher habe ich ihr auch beim Umdrehen nicht geholfen. Sie war keine „Bauchliegerin“, eigentlich hat sie das immer nur auf dem Bauch von einem von uns gemacht, und dann meist geschlafen. Wenn ich sie auf den Bach gelegt habe, hat sie meistens protestiert und wollte wieder umgedreht werden. Daher habe ich damit aufgehört und mir gedacht, sie wird schon selbst wissen, wann sie soweit ist. Und das wusste sie dann auch. Kaum hatte sie das Umdrehen endlich geschafft, war auf dem Bauch liegen plötzlich das Tollste überhaupt. Meine Cousine nennt diese Phase liebevoll Schildkröte, und das ist nicht ganz von der Hand zu weißen. Sieht schon recht lustig aus, wenn sie da so Trockenschimmübungen machen. Nachteil: wieder zurück ging es zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht. Daher habe ich sie, wenn ich gemerkt habe es wird ihr zu anstrengend, einfach wieder auf den Rücken gedreht. Übrigens: Uhrzeiger hat sie auch in Bauchlage gespielt, und damit den Bereich, den sie selbständig erreichen konnte, natürlich erheblich vergrößert.


Im Sommer durfte man zwar offiziell auf Urlaub fahren, nur wusste halt niemand so genau wie sicher das war. Von Einreisebestimmungen in anderen Ländern bis zur Quarantäne nach der Rückkehr war das alles recht kompliziert. Wir hatten in diesem Sommer ohnehin keinen Auslandsurlaub geplant. Mit einem vier Monate alten Baby wollte ich es lieber ruhig haben. Außerdem fahren wir ohnehin meist nur jedes zweite oder dritte Jahr ins Ausland. Das hat bei uns viele Gründe.


Zum einen überlegen wir uns meist gut wo es hin gehen soll und planen dann auch, was wir an den Orten machen wollen. Mit einem kleinen Baby fallen viele Dinge weg. Zumal ich der Meinung bin, dass man sich gerade am Anfang durchaus etwas nach dem kleinen Zwerge richten kann. Nicht, dass man gar nichts mehr machen soll. Aber nach ein, zwei, drei Tagen mit viel Aufregung (und für Babys ist nun mal so ziemlich alles aufregend, weil neu) sollte man dann mal wieder ein paar Tage Ruhe einlegen. Da ich meinen Urlaub im Ausland aber voll ausnützen möchte, spricht das aus meiner Sicht dafür, mir ein anderes Ziel zu suchen.


Ein weiterer Grund ist, dass wir meistens nur eine Woche am Stück wegfahren, und da bieten sich Fernreisen nun mal nicht an. Das liegt zu einem daran, dass mein Mann sich nicht beliebig lange Urlaub nehmen kann (drei Wochen am Stück gehen im Sommer in seiner Firma gar nicht), zum anderen haben wir ja auch noch Verpflichtungen zu Hause (unsere Pferde). Daher wollen längere Reisen gut geplant sein.


Und last but not least, die Familie meines Mannes hat ein Ferienhaus in den Bergen. Dorthin zu fahren ist nicht nur günstiger, sonder auch bequemer. Wir haben alles was wir brauchen und können bei der Gelegenheit auch immer seine Großeltern besuchen fahren. Daher ging unsere erster Urlaub mit Baby auch in die Berge. Das Ferienhaus ist etwas Besonders für mich, da viele wichtige Ereignisse unserer Beziehung dort stattgefunden haben. Es war unser erster gemeinsamer Urlaub, der Ort an dem mein Mann mir einen Heiratsantrag gemacht hat und schließlich auch der Ort an dem ich erfahren habe, dass ich schwanger war. Kurz um, es ist ein sehr persönlicher und positiver Ort. Für unsere Pläne änderte die Pandemie erst einmal nichts. Und dann wieder alles. Meine Eltern fahren jedes Jahr zur selben Zeit ins selbe Land und machen dieselbe Art von Urlaub. Sie sind wirkliche Sommer-, Sonne-, Strand- und Meerurlauber. Und das war, wie oben beschreiben, dieses Jahr etwas schwierig. Und so sind sie kurzerhand mit uns mitgefahren. Also nicht direkt bei uns ins Haus, sondern in eine Ferienwohnung zwei Häuser weiter. Sie direkt für eine Woche bei mir zu haben wollte ich dann doch nicht. Zum einen weil ich nicht wollte, dass sie, wenn die Kleine nachts weint, oder sehr früh aufsteht, auch gleich mit wach sind. Zum anderen, weil ich in meinem Urlaub auch einen Rückzugsort haben wollte.


Bevor wir weg gefahren sind, hatten wir dann aber noch ein medizinisches Problem zu bewältigen. Eine Woche bevor wir aufbrachen, hat mein Mann eines Abends auf Blut im Stuhl unsere Tochter gefunden. Es war nur sehr wenig, und wir haben kurz überlegt ob wir wirklich sofort zum Arzt müssen. Sicherheitshalber sind wir dann gleich gefahren. Da es aber Freitagabend war, musste es dann direkt das Krankenhaus sein. Dort haben sich mich, nach einem kurzen Check, mit den Worten: „ das schaut man sich meist erst an wenn es mehrmals aufgetreten ist“ wieder heim geschickt. Also haben wir beobachtet… und es ist einige Tage später, am Tag bevor wir wegfahren wollten, wieder aufgetreten. Da mein Kinderarzt auf Urlaub war, bin ich erneut ins Krankhaus gefahren. Wo sie wieder gemeint haben, es sei schon nichts Schlimmes. Mit ein bisschen jammern habe ich es dann doch geschafft, dass sie eine Stuhlprobe untersuchen haben lassen. Herausgekommen ist: Nichts. Insgesamt ist es in den darauffolgenden Wochen ca. 4 Mal aufgetreten. Wir wissen bis heute nicht was es war. Da sie zu dieser Zeit noch voll gestillt wurde, war es nichts, was sie selbst gegessen hat. Aber wir nehmen an, dass es etwas war, das ich gegessen habe. Wahrscheinlich Kaffee, den ich nicht sehr oft trinke und auch selbst nicht so gut vertrage. Aber wir wissen es schlicht und ergreifend nicht.


Auf Urlaub sind wir trotzdem gefahren, war ja keine Fernreise. Und der Urlaub war sehr nett. Wenn auch etwas anstrengend. Wir haben uns ein Reisegitterbett angeschafft, das auch sehr gut zum auf- und abbauen ist und größenmäßig auch die nächsten Urlaube noch passt. Nur leider war sie nicht sehr begeister darin einzuschlafen. Daher haben wir sie am Arm in den Schlaf gebracht, und dann abgelegt. Das hat ganz gut funktioniert. Was leider nicht so gut funktioniert hat, war die Regelmäßigkeit. Da wir meist vormittags wandern waren, und sie dabei in der Rückentrage meist geschlafen hat, war sie dann später nur schwer ins Bett zu bekommen. Bis zum Abend hat sie es dann natürlich nicht geschafft, und mehr als einmal ist es uns passiert, dass sie dann um sechs Uhr noch mal geschlafen hat. Sie dann um neun (ihre normale Zeit am Abend bis heute) dann ins Bett zu bekommen war dementsprechend mühsam.


Ansonsten war Wandern aus ihrer Sicht wohl ganz nett. Mein Rücken hat es mir nicht sehr gedankt, obwohl mein Mann und ich uns abgewechselt haben. Schon am zweiten Tag hatte ich starke Schmerzen und hab am Dritten dann pausiert. Das hat es zwar etwas besser gemacht. Aber mir war damit klar, dass sich die Mai-Tai leider nicht zum Wandern eignet. Wir haben uns dann für den nächsten Urlaub eine neue Trage, ein Schnallenmodell mit Polsterung gekauft. Darüber werde ich noch in einem späteren Kapitel schreiben.


Zu meinem eigenen Erstaunen habe ich in dieser Zeit meine Periode mal wieder bekommen. Wie im Kapitel zum Wochenbett erwähnt, hatte ich vier Wochen nach der Geburt so etwas wie eine Periode, danach jedoch nicht mehr. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches. Viele Frauen bekommen so lange sie voll stillen gar keine Blutung, manche auch danach noch eine Zeitlang nicht. Ich stillte zu dieser Zeit noch voll, war also etwas überrascht. Die erste Periode war sehr stark, zum Glück aber nicht sonderlich schmerzhaft. Bis ich die Pille genommen habe (mit 20 Jahren), hatte ich oft sehr starke Schmerzen und habe mich auch ab und an mal übergeben müssen. Die Pille hat das besser gemacht. Nach dem absetzen hatte ich nur eine Blutung, und die war sehr harmlos. So war ich auch etwas gespannt, wie es sich entwickeln würde. Alles in Allem war diese erste Blutung zwar sehr stark, aber mit knapp eine Woche zeitlich ok. Zum Thema Periode nach der Schwangerschaft wird noch ein eigenes Kapitel kommen.


Wie oben erwähnt besuchen wir in diesen Urlauben meist auch die Großeltern meines Mannes. So auch in diesem Jahr. Auf Grund der Pandemie haben wir sie jedoch leider nicht sehr oft sehen können bisher. Umso schöner ist es, wenn es dann doch einmal klappt. Nicht jeder kann heutzutage noch sagen, er hat seine Urgroßeltern noch kennen gelernt, und auch umgekehrt ist es etwas Schönes, die Urenkerl noch kennen zu lernen.


Diese gesamte ohnehin schon aufregende Zeit hindurch hat meine Tochter obendrein auch noch sehr starke Beschwerden wegen ihrer Zähne. Zu diesem Zeitpunkt habe ich noch gehofft, dass es nicht allzu lange dauern würde, bis die ersten Zähne durch wären. Das hat sich leider nicht bewahrheitet. Oft hat sie sehr viel geweint und war sehr anhänglich. Zu dieser Zeit hat sie auch sehr schlecht geschlafen, war vier oder fünf Mal pro Nacht wach und hat mich viel Kraft gekostet. Kaum war Besuch da oder wir waren woanders, war sie ein fröhliches Kind, das kaum jammerte und immer gut gelaunt war. Das hat zu der seltsamen Situation geführt, dass mich alle immer zu meinem ach so lieben und braven Kind beglückwünscht haben und ich umgekehrt nur dachte: sie sollen alle still sein, weil sie gar nicht wissen wie schlimm sie sein konnte.


Mit meinem Mann habe ich damals viel gestritten. Zum einen hat er stets gemeint, andere hätten viel schlimmere Babys und wir dürften uns daher nicht beschweren. Zum anderen war er ja nie alleine mit ihr. Da sie aber immer leichter abzulenken, und damit besser gelaunt war, wenn möglichst mehr als eine andere Person anwesend war (und man dann vielleicht auch mal aufs Klo gehen konnte, ohne dass sie geweint hat) war es natürlich etwas anderes, wenn man zu zweit war.


In meiner Verzweiflung habe ich dann angefangen ihm unter Tags immer zu schreiben, wenn sie mir mal wieder eine Stunde lang gejammert oder geweint hat. Einfach damit er auch merkte, wie sie sein konnte. Was ich damals noch nicht gemacht habe, war mit andern darüber zu reden.


Auch ich habe mir oft gedacht: anderen geht es ja noch viel schlimmer als mir selbst. Ich kenn genug, bei denen die Babys von der Geburt an kaum eine Nacht länger als ein, zwei Stunden am Stück geschlafen haben. Oder wo das Baby aus dem Nichts heraus anfangen zu weinen, und man sie kaum wieder beruhigen kann. Daher habe ich mir oft gedacht, es steht mir nicht zu mich zu beschweren. Aber ich habe auch gelernt, wie sehr es mich belastet, so zu tun als wäre alles in Ordnung. Oft wollte ich mich einfach nur noch verkriechen. Gerade Besuche, die ja eigentlich gut waren, weil meine Tochter dann abgelenkt und besser gelaunt war, waren für mich sehr anstrengen. Ich wollte meine Ruhe haben und nicht immer hören wie ach so lieb sie doch war. Wenn dann auch noch erzählt wurde, wie anstrengend doch ein anderes Baby war, das drei Mal die Nacht wach war, wollte ich am liebsten schreien, oder weinen.


Im Nachhinein hätte ich spätestens zu dieser Zeit offen reden sollten. Spätestens jetzt wäre der Zeitpunkt gewesen, einfach zu sagen: „Stimmt, ist schlimm wenn das Baby drei Mal wach ist. Meine Tochter ist das auch gerne Mal oft auch öfter.“ Einfach mal sagen: „ Wenn viele Leute da sind ist sie ein Sonnenschein, aber wenn man nur alleine mit ihr ist, dann kann ich teilweiße nicht mal aufs Klo gehen ohne dass sie weint“ Es hätte mir sehr gut getan die Wahrheit zu sagen. Und es hätte mir viele Weinanfälle erspart.


Zu dieser Zeit begann das Stillen für mich sehr belastend zu werden. Da ich voll gestillt habe war es nicht möglich meine Tochter einfach mal für ein paar Stunden mit den Großeltern oder meinem Mann raus zu schicken, und mich auszuruhen. Da sie zudem meist am Vormittag längere Pausen gemacht hat, und am Nachmittag eher öfter getrunken hat, war es noch schwerer Zeit für mich selbst zu bekommen. Ich habe es teilweiße verflucht. Oft bin ich weinend am Abend am Küchenboden gesessen, weil ich nicht mehr wusste, wie ich es machen sollte. Kurz habe ich sogar daran gedacht abzustillen. Aber zum einen war und bin ich der Überzeugung, dass, wenn man Stillen kann, es das Beste fürs Baby ist. Zum anderen hat meine Tochter die Flasche obendrein verweigert. Und das letzte was ich wollte war sie zu etwas zu zwingen. Also habe ich durchgehalten.


Meine Mutter hat mal gesagt: „Kinder bringen einen an seine Grenzen, und auch darüber hinaus.“ Dem kann ich nur zustimmen. Was ich aber noch anfügen möchte. Wenn man merkt man kommt über die Grenzen hinaus, dann ist es ein Zeichen von Stärke sich Hilfe zu holen. Ich habe das leider erst nach dem Nächsten Paukenschlag gemacht. Aber das erzähle ich dann im nächsten Kapitel.

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