Die Geburt/aller Anfang ist schwer

Ich möchte ganz am Anfang beginnen, also mit der Geburt, denn sie markiert für mich den Beginn des Mutter Seins. Wenn ihr auch etwas über die Schwangerschaft lesen wollt, dann schreibt mir das bitte in die Kommentare. Hier nur so viel: ich hatte eine unkomplizierte Schwangerschaft, wie aus dem Lehrbuch.

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Die Geburt war für mich in mehrere Hinsichten das, wovor ich am meisten Angst hatte. Zum einen, weil ich alles planen möchte, und die Geburt nun mal nicht planbar ist, egal wie sehr man sich vorbereitet. Kinder kommen nun mal nicht genau dann, wenn es den Müttern gerade in den Plan passt. Und sie brauchen nun mal so lange wie sie brauchen.


Zum anderen hatte ich auch durchaus Angst vor den Schmerzen. Nicht, weil ich besonders wehleidig wäre. Auch glaube ich daran, dass Frauen nun mal zum Kinderkriegen gebaut sind, es daher also auch geht. Und wenn was nicht passt, so leben wir ja zum Glück in einer Zeit, wo es medizinische Möglichkeiten der Unterstützung gibt. Nein, es war vor allem die Angst vor dem Unbekannt, davor, nicht zu wissen wie schlimm es werden würde, die mich dieses Ereignis eher mit einem mulmigen Gefühl erwarten ließ.


Natürlich bereitete ich alles so gut es ging vor. Ich suchte ein Krankenhaus aus. Ziemlich früh, für meinen Geschmack. Aber der Arzt fragt einen das schon bei der ersten Untersuchung, da ist das noch so weit weg, dass es schon fast unwirklich ist. Vor allem wenn man bedenkt, dass man sich erst im Krankhaus anmelden kann, wenn man bereits in Woche 36 ist…


Ich suchte auch eine Hebamme für die Nachbetreuung. Da kann man tatsächlich nicht früh genug dran sein, aber ich hatte wieder mal Glück, und habe recht bald einen gefunden. Wenn auch erst beim zweiten Versuch die Chemie gestimmt hat. Die erste Hebamme hat mir gleicht so viel Angst in allen Belange gemacht, dass ich mich bis heute Frage, ob sie nicht den Beruf verfehlt hat. Mein Mann und ich haben uns bereits zu Beginn der Schwangerschaft für eine ambulante Geburt entschieden. Zum einen hasse ich Krankenhäuser, und die Vorstellung dort Tage verbringen zu müssen erzeugt bei mir Brechreiz. Zum Anderen glaube ich fest daran, dass Mutter, Vater und Kind am schnellsten zu Ruhe und Harmonie kommen, wenn sich einfach alle in ihrem Rhythmus leben können, und das geht in einem Krankenhaus nun einmal schwer.


Und nach all dieser Vorbereitung, Planung und Überlegungen, kam dann alles anders. Eine Pandemie eines unbekannten Virus brach aus, und plötzlich war alles anders. Das klingt wie der Beginn eines drittklassigen Horrorfilms, war aber echt so.


Unser Baby wurde am Beginn des ersten Lockdowns in Österreich geboren. Zu dieser Zeit erlaubte das Krankenhaus, in dem ich entbunden habe, keine Begleitpersonen und auch keine Besuche. Ich kam also um Mitternacht dort an und ging alleine hinein, während man Mann wieder Heim fahren musst. Wir waren bereits am Abend dort gewesen, da ich mich nicht wohl gefühlt hatte und zudem eine leichte Schmierblutung gehabt hatte. Da hatte mich die Hebamme mit den Worten: „Es kann sein, dass Sie heute noch wieder kommen“ wieder heim geschickt.


Ich hatte zur Ankunftszeit Wehen im ca. 6 Minuten Abstand, und war noch recht guter Dinge. Mein Muttermund war bereits 4 cm auf, weshalb ich gleich in den Kreissaal durfte. Es waren drei andere Frauen auch gerade da. Eine auf der Station am warten, eine im anderen Kreissaal und eine für einen Kaiserschnitt. Dazu eine Hebamme und eine Assistentin, sowie eine Krankenschwester. An eine Einzelbetreuung ist da natürlich nicht zu denken. Dann geschah erst einmal: Nichts. Tatsächlich geschieht während einer Geburt im Allgemeinen nicht viel. Die meiste Zeit saß oder stand ich herum und habe entweder auf eine Wehe gewartet, sie veratmet (mal besser, mal schlechter) oder mich nach einer Wehe erholt. Und das immer wieder, Stunden lang. Ich habe tatsächlich während der meisten Zeit mit meinem Mann Nachrichten geschrieben. Das kam mir auf gewisse Weise etwas seltsam vor, in diesem Moment eine Nachricht am Handy zu tippen, aber unter den Umständen war es nun mal der einzige Weg ihn teilhaben zu lassen.


Um 6Uhr in der Früh ging dann nichts mehr. Ich war müde, die Wehen erzeugten bei mir sehr starke Rückenschmerzen, und am Muttermund tat sich nichts. Für mich war immer klar: so wenig Schmerzmittel wie möglich, so viel wie nötig. Also verlangte ich zuerst nach dem Pflanzlichen. Homöopathie kommt für mich nicht in Frage. Für mich muss etwas erstens einmal etwas enthalten, das wirken kann (daher sind Pflanzliche Mittel voll ok) und zum andere muss die Wirkung beweisbar sein. Das hat sicher auch damit zu tun, dass ich Biotechnologie studiert habe, also aus der Materie komme. Esoterik Geschwurbel kommt bei mir nicht gut an. Das schwache Mittel brachte leider gar nichts. Also das nächste, in diesem Fall Buscopan, und das war super. Zum einen tat es wirklich weniger Weh (auch wenn es natürlich nicht scherzfrei war) und zum anderen ging auch beim Muttermund dann wieder etwas weiter. Nur die Verabreichung war nicht so einfach. Ich habe sehr mühsame Venen, die weder dazu bereit sind Blut her zu geben, noch gerne Medikamente aufnehmen. Insgesamt wurde bei mir im Laufe der Geburt sechs Mal ein Venenzugang gelegt, da sie sich entweder wieder verschlossen haben, oder erst gar nicht durchlässig waren. Buscopan habe ich gegen 9Uhr noch ein zweites Mal bekommen. Das ganze hatte nur leider die Nebenwirkung, dass ich für ca. 15 Minuten sehr verschwommen gesehen habe. Wenn man nicht gerade Nachrichten am Handy schreibe (siehe on) fällt das in dieser Situation aber nicht weiter ins Gewicht.


Die meiste Zeit war ich alleine im Kreissaal. Die Hebamme hat zwischen alle Frauen herum gewechselt, bei einem Kaiserschnitt muss sie mit in den OP, daher war sie dann für einen halbe Stunde gar nicht da. Es waren zwei Kaiserschnitte in der Zeit. Einer geplant (oder fast, das Kind wollte vor dem geplanten Termin kommen, wurde also geplant, spontan geholt), der zweite als Ende einer Geburt die kurz vor meinem Eintreffen begonnen hatte, bei der erst recht schnell alles voran schritt, und dann nichts mehr ging. Vor einem Kaiserschnitt hatte ich aus mehreren Gründen große Angst. Zum einen habe ich sehr große Angst vor einer Vollnakose. Ich hasse es, die Kontrolle zu verlieren, und mit einem Mittel in den Schlaf versetzt zu werden entspricht ziemlich genau meiner Vorstellung von Kontrollverlust der höchsten Stufe (und ist ungefähr in der Kategorie Todesangst angesiedelt). Zum anderen hieße ein Kaiserschnitt, dass ich für mindestens drei Tage im Krankenhaus bleiben müsste. Ein weiteres Albtraumszenario für mich. Mit zu bekommen wie die Geburt nebenan im Kaiserschnitt endete, war für meine Psyche nicht sehr aufbauend. Zum Glück nahm sich die Assistentin Zeit sich meine Sorgen an zu hören und mich zu beruhigen.


Nach dem Schichtwechsel (irgendwann zwischen 8 und 9 Uhr) änderte sich der Ton im Kreißsaal. Die zweite Hebamme war etwas grober, und auch direkter. Sie öffnete meine Furchtblase (wofür ich überaus dankbar war) und schloss mich auch an den Wehentropf an. Das war eigentlich nicht so wirklich meine Vorstellung gewesen. Allerdings wollte ich zu dieser Zeit auch nicht mehr und war durchaus bereit ein bisschen was zu ertragen, wenn das hieß, dass es damit endlich vorbei sein würde. Die zusätzlichen Schmerzen waren überschaubar. Nur die Abstände (die sich seit meinem Eintreffen leider nicht wirklich verändert hatte) wurden kürzer. Ich gestehe, dass ich zu dieser Zeit absolut keine Lust mehr hatte. Auf die Aussage der Hebamme: „Aber nachher haben Sie ja dann ihr Kind“ habe ich sehr ehrlich mit: „Mir egal, ich will nach Hause“, geantwortet. Doch zum Glück lässt einen der Körper, auch wenn ich Zeitweise glaubte ich würde keine Luft mehr bekommen (während den Wehen), nicht im Stich. Und am Ende hat man eigentlich eh keine Wahl mehr, da läuft alles ganz von selbst ab.


Warum man bei der tatsächlichen Geburt dann einen Gynäkologen braucht, erschließt sich mir leider noch immer nicht. Eine zweite Person, die weiß was sie macht (also eine Hebamme oder Krankenschwester) tät es meiner Meinung nach auch. Seine ganze Arbeit bestand darin, sich zwei Mal auf meinen Bauch zu lehnen (was zugegebener Maßen weniger weh tat als ich dachte, wohl auch weil es während einer Wehe geschah), und dann war das Kind auch schon da. Wobei „schon“ ein dehnbarer Begriff ist. Im Krankenhaus war ich knapp 12 Stunden. Zuhause davor mit Wehen noch einmal ca 4. Alles im allen eine recht normale erste Geburt.


Sehr gut in Erinnerung (und auch in guter Erinnerung) habe ich eine Pandemie bedingte Besonderheit für die ich der Hebamme, obwohl ich sie als grober empfand als die erste, unendlich Dankbar bin. Nämlich der Moment als ich meine Tochter zum ersten Mal im Arm hatte. Sie war es nämlich, die mir vorschlug meinen Mann über Videotelefonie an zu rufen und ihm unser frisch geborenes Baby zu zeigen. Er konnte nicht bei der Geburt dabei sein, aber so konnte er sie zumindest bereits in ihren ersten Minuten auf dieser Welt sehen.


Bei mir musste im Anschluss genäht werden. Laut Geburtsbericht hatte ich einen Dammriss zweiten Grades, also gar nicht so schlimm, aber er war wohl etwas aufwendiger zu nähen, denn es hat eine kleine Ewigkeit gedauert.


Danach kam ich mit meiner Tochter in den Beobachtungsraum, wo sie auch das erste Mal an die Brust kam. Ich war positiv überrascht, wie problemlos das geklappt hat. Die Hebamme hat zur Sicherheit auch Stillhütchen geholt (auch weil eine meiner Brustwarzen etwas verformt ist) aber die Kleine hat die zu diesem Zeitpunkt nicht gebraucht (kleiner Spoiler, eine Weile lang hat sie dann sehr wohl damit getrunken). Zwei Stunden muss man nach der Geburt unter Beobachtung bleiben, ehe es auf die normale Station geht. Wobei Beobachtung in diesem Fall hieß, dass die Hebamme ein paar Mal ins Zimmer geschaut hat, und ich sonst alleine war. Ich wäre fast eingeschlafen beim Warten. Nach zu dieser Zeit guten 29 Stunden ohne Schlaf und einer Geburt, war ich schon ziemlich fertig. Doch ich hatte noch etwas zu tun. Ich musste nämlich noch meine Entlassung organisieren.


Wie bereits erwähnt, hatten wir alles für eine ambulante Geburt organisiert. Jedoch war das durch die Pandemie erheblich komplizierter geworden. Meine Hebamme war zunächst etwas skeptisch. Sie wollte nicht kommen, wenn das Krankenhaus bedenken hatte, und das Krankhaus hatten bedenken, wenn die Hebamme nicht uneingeschränkt zu sagte. Zudem galt: nur mit Maske. Ich verbachte also die nächsten Stunden (dann bereits auf der Station) damit Masken auf zu treiben, die Hebamme für zumindest vier Besuche innerhalb der ersten Zehn Tage zu bekommen und mich dann noch gegen die Kinderärztin zu behaupten, die Bedanken hatte weil die niedergelassenen Ärzte im Moment so schwer zu erreichen waren ( wobei ich da das Problem nicht verstand, zumal ich später ohne Probleme einen Termin bei einem Kinderarzt für die 6 Wochen Untersuchung bekam). Zu guter Letzt kam dann auch noch der Chef Gynäkologie und fragte nach, ob ich denn wirklich sicher wäre, ob ich gehen wollte. Da gingen sie mir dann schon ziemlich auf die Nerven, zumal mir keiner einen wirklichen Grund nennen konnte, warum ich bleiben sollte. Meiner Tochter und mir ging es gut, und niemand kann mir erklären, dass man im Krankenhaus besser schläft als zu hause. Sechs Stunden nach der Geburt, verließ ich also das Krankenhaus. Draußen wartete mein Mann und unser neues Leben als kleine Familie begann.

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