Das erste Monat/eine Familie entsteht

Mein Mann hat sich die ersten drei Wochen nach der Geburt frei genommen. Es war so abgesprochen, dass er nur anzurufen brauchte, dass das Kind nun da war, und ab dann drei Wochen Urlaub hatte. Er hatte mehr als genug freie Tage dafür übrig. Einen offiziellen Papamonat konnten, oder eigentlich wollten, wir uns nicht leisten. Ganz ehrlich: Ich empfinde die 700€, die man dafür bekommt immer noch zu wenig, um es wirklich einen Anreiz zu nennen. Und da dieser Betrag auch noch vom Kinderbetreuungsgeld (sollte der Mann in Karenz gehen) abgezogen wird, ist es eigentlich sogar ein Grund es nicht zu nehmen.

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Die erste Nacht war, gelinde gesagt, schrecklich. Unsere Tochter konnte nur schlafen, wenn einer von uns sie am Arm hatte, weswegen wir uns abwechselten und jeder mal mit ihr auf der Couch saß, während der andere ein bisschen im Bett schlief. Nach dieser Nacht zweifelte ich etwas an mir selbst und meinem Glauben, dass alles gut werden würde.


Meine Hebamme kam am ersten, dritten, fünften und Zehenten Tag vorbei. Beim ersten Besuch wurde nur gewogen. Alle Babys verlieren zu Anfang einmal Gewicht. Das ist ganz normal und ist nur bedenklich, wenn es mehr als 10% des Geburtsgewichts ist. Nach ca. 10 Tagen sollte dann wieder das Geburtsgewicht erreicht sein (kleiner Spoiler, unsere Tochter hat das locker geschafft). Beim zweiten Termin (am dritten Lebenstag) wird etwas Blut abgenommen, das geschieht über einen kleinen Schnitt an der Ferse. Dieses wird dann auf einem speziellen Testbogen aufgetragen und an ein Labor geschickt. Im Rahmen des sogenannten Neugeborenenscreenings wird dann auf verschiedenste genetische Erkrankungen getestet, welche möglichst rasch behandelt werden müssen. Es handelt sich hierbei durchwegs um seltene, aber schwerwiegende Erkrankungen. Unsere Tochter hat leider beim ersten Versuch zu wenig Blut abgegeben. Daher mussten wir am 5 Tag das Ganze noch einmal machen. Mit den Füßen im Wasserbad vorgewärmt, hat es dann geklappt. Man bekommt dann nach einigen Tagen ein Schreiben mit dem Ergebnis, dass in unserem Fall zum Glück ohne erkennbare Defekte war.


Am Anfang schlafen Babys sehr viel. Tatsächlich bis zu 17 Stunden am Tag. Leider aber nicht am Stück, und schon gar nicht in der Nacht. Aber es hat den Vorteil, dass man am Anfang sich recht gut erholen kann, selbst wenn man wie ich zu der Sorte Mensch gehört, der Tagsüber nicht schlafen kann. Zudem war unsere Tochter so nett, und hat recht bald heraußen gehabt, dass man seine Wachphasen doch bitte Tagsüber hat, und nachts nur gegessen, oder geschlafen wird. Natürlich war sie wach, und natürlich hat sie auch geweint, aber sie hat nach ein paar Tagen die Nächte mehr geschlafen als sonst was, und das war wirklich Gold wert. Nur gehört zu einem guten Schlaf mehr, als nur, dass das Kind halt auch gerade schläft. Und damit sind wir beim leidlichen Thema: wo schläft das Kind?


Für mich war von Anfang an klar: das Kind schläft im eigenen Bett. Neben unserem, mit jeder Begleitung die ich ihr bieten kann, aber alleine in ihrem Bett. Damit das zur Option stand, musste unsere Tochter gleich zu Beginn etwas lernen, was nicht selbst verständlich ist. Sie musste entweder alleine einschlafen, oder sich zumindest in ihr Bettchen legen lassen. Das ist etwas, was gar nicht so einfach ist, wie es klingt. Kinder, und vor allem Babys, haben einen sehr leichten Schlaf. Dazu kommt, dass sie aus der Evolution heraus häufig aufwachen, um sicher zu gehen, dass eh noch alle wichtigen Personen da sind. Bei so einem Aufwachen wird, abhängig vom Alter, über Gerüche, Geräusche und auch Berührung sicher gestellt, dass alles noch so ist, wie es war als man eingeschlafen ist. Und hier ist auch schon das Dilemma. Schläft ein Kind nun am Arm ein, und wacht dann zur Kontrolle auf, ist aber nicht mehr am Arm, so wird das als störend empfunden. Das Kind, wird dann richtig wach und fängt an zu schreien, anstatt einfach wieder einzuschlafen. Dies dient nur dazu sicher zu gehen, ob Mama oder Papa eh noch da sind. Es ist aber auch sehr anstrengend. Darum habe ich gerade in der Anfangszeit sehr darauf bestanden, dass unsere Tochter in ihrem Bett einschläft. So war erheblich mehr Ruhe im Ganzen. Ich musste sie nicht nach dem Einschlafen ablegen, und sie hat auch länger geschlafen. Am Abend ging dass auch recht gut, tagsüber leider gar nicht. Die ersten Wochen hat sie untertags nur auf mir oder meinem Mann geschlafen. Das dafür meist gut. Natürlich schränkt es einen jedoch ziemlich ein. Daher haben wir uns in den ersten drei Wochen damit abgewechselt und sie teilweise auch beim Schlafen umgebettet.


Eine nette Nebenwirkung der pandemiebedingten Einschränkungen, die zum Zeitpunkt der Geburt unserer Tochter galten, waren, dass ich eine super Ausrede hatte, warum wir keinen Besuch empfangen konnten. Außer der Hebamme haben wir die erste Woche niemanden getroffen. Das war super. Für mich, die ich zu Ruhe kommen konnte und auch für die Kleine, die einfach in ihren Rhythmus finden konnte. Ich verbrachte die erste Woche fast nur im Liegen. Vor allem sitzen tat die ersten Tage sehr weh und wurde mir auch von allen Seiten dringend abgeraten. Obwohl ich an sich keine starken Schmerzen hatte, war doch fast alles sehr unangenehm und auch sehr anstrengend. Meinen ersten Spaziergang unternahm ich erst nach einer Woche. Es wird ja immer empfohlen die ersten Wochen nicht raus zu gehen. Das war für mich aber keine Option. Ich brauche die Bewegung und mir fällt leider sehr rasch die Decke auf den Kopf.


Das mein Mann zu Hause war, hat vieles sehr vereinfacht. Zum Einen ist auch unter normalen Umständen er derjenige der kocht, weswegen ich mir keinen Gedanken um meine eigene Ernährung machen musste, zum anderen konnte er einkaufen gehen. Denn natürlich hatten wir alles Mögliche vergessen zu besorgen. Allem voran alles, was ich zum Stillen benötigte.


Das Thema Stillen werde ich in einem Sonderkapitel noch extra behandeln und da auch auf Veränderungen im Trinkverhalten, Probleme usw. eingehen. Hier nur die Eckdaten die im ersten Monat bei mir wichtig waren. Meine Tochter war am Anfang sehr langsam beim Trinken. Gerade die ersten Wochen hat sie teilweiße 20-30 Minuten durchgehend getrunken. Ihr absoluter Rekord waren 45 Minuten am Stück. Bei teilweiße 12 Mal über den Tag verteilt, kommt da einiges an Zeit zusammen die man nur mit Stillen verbringt. Das war extrem anstrengend und auch zermürbend. Gerade wenn sie in den Abendstunden teilweiße drei Mal in drei Stunden getrunken hat, war ich sehr müde und fertig. Außerdem habe ich mir überhaupt nicht merken können, an welcher Brust sie das letzte Mal getrunken hat. Das war unter tags egal, nachts hat sie aber gerne mal einen Mahlzeit ausgelassen, und einfach weitergeschlafen, und dann werden die Brüste schmerzhaft voll. Gerade in den ersten Wochen tat mir Stillen sehr weh. Der Milcheinschuss hat einige Tage gedauert und ist ziemlich schmerzhaft, und auch das Stillen an sich ist Anfangs schmerzhaft. Die Brustwarzen müssen sich an das Saugen des Kindes erst gewöhnen, und ich habe mich schon manchmal gefragt, ob das auch mal weniger unangenehm ist. Spoiler: ja, irgendwann tut es nicht mehr weh. In den ersten Wochen hat meinen Tochter auf der einen Seite mit Stillhütchen getrunken, manchmal auch an beiden Seiten. Das war nur insofern mühsam, als dass ich dieses blöde Ding eigentlich immer gesucht habe. Aber ich suche ohnehin immer irgendwas.


Vielleicht weil ich gestillt habe, oder weil mein Körper sich von der Geburt erholen musste, hatte ich die ersten Wochen ständig Hunger, und leider vor allem auf Zucker. Süßes und da besonders Schokolade war da ein Dauerbrenner. Davon dann wieder loszukommen war nicht so einfach. Aber gerade die erste Zeit fand ich es schon ok mir auch was zu gönnen. Und Stillen braucht recht viel Energie. Auch wenn es wohl besser wäre, diese über einen zusätzliche Ration Obst und Gemüse zu decken. Was ich auch rasch gemerkt habe: Stillen trocknet aus. Daher hatte ich rasch ein Glas bei meinem Bett stehen, und auch unter tags immer etwas zum Trinken in Reichweite.


Bereits in der Schwangerschaft habe ich mich dazu entschlossen, mit Stoffwindeln zu wickeln. Mein Mann hat das begrüßt, da er es aus seiner Familie so kannte. Nur meine Eltern waren sehr skeptisch und konnten sich das überhaupt nicht vorstellen. Ich habe mich informiert und mir über eine Händlerin in der Nähe ein Test-Packet für neugeborene bestellt. Das war sehr Praktisch, da ich da einfach nur den Geburtstermin genannt habe, und sie mir das Packet dann ein paar Tage vorher zugestellt hätte. Da unsere Tochter eine Woche vor Termin kam, war das Packet dann natürlich trotzdem später da, aber so wichtig war das auch wieder nicht. Ich konnte mich dann also nach Lust und Laune durch Marken und Modelle probieren und mir einfach anschauen was sich für mich, meinen Mann und auch meine Tochter am besten angefühlt hat. Wir haben unsere Entscheidung recht schnell getroffen. Ich wollte nichts, was einen zu großen Windelpack macht, und auch keine Wollüberhosen, die ich Wachsen musste. Zudem sollte es einfach und schnell in der Handhabung sein und aus möglichst wenigen Teilen bestehen. Wir haben Totsbots Peenut Windeln genommen.

Falls Ihr mehr über das Thema Stoffwindeln wissen wollt, lasst es mich im Kommentarbereich wissen!


Am Anfang ist das eine ziemliche Anschaffung, mit ca. 500€. Auf die gesamte Wickeldauer eines Kindes gerechnet, rentiert sich diese Anschaffung aber. Wenn man mehrere Kinder wickelt, dann erst recht. Zwar muss man hin und wieder was nach kaufen, aber alles im allen ist es günstiger. Auch wenn ich jeden verstehen kann, der sich die Wascherei nicht antun möchte. Für mich ist das Aufhängen und Zusammensuchen der passenden Einlagen richtig meditativ, aber ich bin da bestimmt kein Maßstab.


Als mein Mann nach drei Wochen wieder zu Arbeiten anfing, war es mit der Gemütlichkeit vorbei. Auch wenn meine Tochter immer noch sehr viel schlief, war damit alles weniger leicht. Ich habe dann angefangen wirklich alles in meiner Reichweite zu lagern, was ich vielleicht brauchen könnte. Da meine Tochter sich tagsüber nicht ablegen ließ, habe ich sehr viel Zeit auf der Couch verbracht. Wenn sie wach war, konnte ich auch mal aufstehen und aufs Klo gehen oder die Waschmaschine einräumen. Aber alles in allem blieb gerade die Hausarbeit in den ersten Wochen ziemlich liegen. Ich habe unter tags wirklich nur das nötigste gemacht. Alles was länger als ein paar Minuten gedauert hat, wurde am Abend oder am Wochenende erledigt, damit immer einer aufs Kind schauen konnte. Mein Mann hat mir da zum Glück überhaupt keinen Druck gemacht. Es war ihm schnell klar, dass ein Baby sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Wie bereits erwähnt hatten wir pandemiebedingt gewisse Besonderheiten. Zum Einen war es in den ersten drei Wochen eigentlich gar nicht erlaubt, Besuche überhaupt zu tätigen. Auch wenn dies am Ende als so nie wirklich verordnet heraus kam, haben sich zu dieser Zeit noch fast alle daran gehalten. Daher war es auch kein Problem dafür zu sorgen, dass uns niemand besuchen kam. Ich habe das sehr genossen. Andere wiederum weniger. So waren naturgemäß meine Eltern und Schwiegereltern nicht so begeistert, dass sie ihr Enkelkind die ersten Wochen nicht sehen konnten. Ich habe daher gerade am Anfang sehr viele Fotos gemacht und an sie verschickt. Dabei habe ich jedoch eingeschränkt, was mit diesen Bildern passieren durfte. Ich wollte nicht, dass Bilder meines Babys nach Belieben an Andere weitergereicht werden. Das ist auch zum Glück bisher ganz gut gelaufen. Freunde oder Bekannte (Arbeitskollegen) wurden natürlich ebenfalls per Nachricht informiert.


Wir haben vor der Geburt nicht gewusst was es wird. Es war daher für alle eine Überraschung, dass wir eine Tochter bekamen. Dabei habe ich ein interessantes Phänomen beobachtet: Anscheinend tun sich die meisten Menschen sehr schwer ein Geschenk zu kaufen, ohne zu wissen welches Geschlecht das Kind hat. Wir haben nur sehr wenig vor der Geburt bekommen. Diese Sachen waren, natürlich so gewählt, dass sie für Buben und Mädchen geeignet waren. Was, mal so unter uns, bei Babys auch vollkommen egal ist. Die meisten Geschenke die wir nach der Geburt bekommen haben, waren jedoch offensichtlich für Mädchen. Sie waren rosa oder glitzerten und waren in meinen Augen zu einem guten Teil vollkommen schrecklich. Warum es so schwer ist, etwas zu kaufen, dass nicht eindeutig einem Geschlecht zugeordnet wird, ist mir schleierhaft. Und dass ich gerade Babysachen vielleicht lieber nicht in Stereotypen kaufe, damit sie, nachdem sie ja meist nur sehr kurz genutzt werden, dann auch beim nächsten Kind oder bei Freunden zum Einsatz kommen können, macht für mich erheblich mehr Sinn. Leider bin ich da aber wohl eher die Einzige. Zurück zu den Besuchen. Wir haben das Besuchsdilemma mit den Großeltern dann so gelöst, dass wir nach ca. 10 Tagen mit den Schwiegereltern, die näher bei uns wohnen, spazieren gegangen sind. Nach drei Wochen waren wir das erste Mal bei meinen Eltern. Da wir zu diesen jedoch eine Stunde pro Richtung mit dem Auto fahren, war das natürlich erheblich aufwendiger. Schön war es in beiden Fällen natürlich schon. Schließlich war ich auch stolz, meinen kleinen Sonnenschein einmal herzeigen zu können.


Als Fazit über das erste Monat: hab nach Möglichkeit die ganze Familie zu Hause (also die Kernfamilie: Mutter, Vater, eventuelle Geschwister), schränkt Besuche so stark wie ihr das wollt (auch wenn das gar keinen Besuche heißt) ein, und macht euch keinen Stress. Vieles schleift sich ein, und wird ganz von selbst nach einer überschaubaren Zeit von ein paar Wochen von alleine besser. Und vor allem: vertraut euch und eurem Baby. Gerade in den ersten Wochen, aber auch den ersten Monaten, ist es für alle am stressfreisten, wenn das Baby einfach Baby sein darf. Es sucht sich dann seinen eigenen Rhythmus und sei eigenes Tempo. Natürlich mit leichter Lenkung, gerade was die Schlaf-Wach-Phasen betrifft. Aber ansonsten mit so wenig Eingriff von außen wie möglich. Das macht es euch und euerm Baby leichter sich an alles zu gewöhnen, und sorgt im besten Fall für Ruhe und Ausgeglichenheit auf allen Seiten.

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